Seit Oktober 2015 versucht sich auch Amazon einen „Local Touch“ zu verpassen. In Italien startete das US-Unternehmen den Shop-in-Shop „Made in Italy“. Hier werden Produkte von italienischen Handwerksbetrieben und Manufakturen in den Kategorien Fashion, Kunst, Schmuck, Schuhe und Taschen zusammengefasst.

Seit Januar 2016 ist die entsprechende Landing Page auf dem deutschen Amazon-Marktplatz zu erreichen. Den Anfang machten ausgewählte Hersteller aus Florenz und der Toskana, mittlerweile sind auch Kalabrien, Sardinien, Kampanien und die Städte Vicenza und Bergamo als geografische Einheit dabei. Erstaunlich ist jedoch, dass die Zahl der portraitierten Boutiquen von November 2016 bis April 2017 lediglich von 26 auf 30 gestiegen ist.

 

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Bewertung durch localcommerce.info

Amazon hat die Hürden für teilnahmewillige Manufakturen aus den schnuckeligen Gässchen und Hinterhöfen Italiens hoch gesetzt. Auf der FAQ-Seite für Händler heißt es: „Produkte im Made in Italy-Shop müssen komplett in Handarbeit oder mit traditionellen italienischen Verfahren und Techniken aus Rohstoffen hergestellt worden (…) und nur in begrenzten Mengen hergestellt worden sein.“ Freilich bieten die Formulierungen einigen Interpretationsspielraum, aber alleine die Tatsache, dass bisher erst unter 30 Händler auf der Landing Page portraitiert werden, spricht für eine hohe Teilnahmeschwelle (oder einen stockenden Vertrieb). Dennoch finden sich über die Kategorienverlinkung auch Händler, die kein explizites Portrait, also eine eigene Landing Page auf Amazon (Beispiel), aufweisen.

Viele der portraitierten Werkstätten und Hersteller werden auch mit einem Video vorgestellt. Dies rührt wahrscheinlich aus der Zusammenarbeit mit den regionalen Partnern bzw. Branchenverbänden her. Denn auch Amazons Made-in-Italy wurde zu Beginn als Förderinstrumentarium für lokale Unternehmen gestartet, die nun auch die Vorteile des Internets für sich entdecken sollten. Damit hat Amazon zugleich eine Antwort auf das lokale Engagement von Konkurrent eBay gefunden, der in Italien mit „eBay adotta L’Aquila“ und in Deutschland insbesondere mit dem Pilotprojekt „Mönchengladbach bei eBay“ den lokalen inhabergeführten Handel für mehr Multichannel-Engagement begeistern wollte.

Darüber hinaus hat Amazon auch hierzulande seit September 2016 mehr als 5.000 Kunsthandwerker und Kreative für das Programm „Handmade at Amazon“ gewinnen können. Damit tritt Amazon in direkte Konkurrenz zum Portal DaWanda. Weitere europäische Länder, die die Rubrik „Handmade“ des Amazon-Marktplatzes derart bespielen können, sind neben Italien Großbritannien, Frankreich und Spanien.

Trotz aller möglicher Kritik an der Eignung des Amazon-Modells für moderierte stadtbezogene oder regionale Digital-Initiativen, ist die Reichweite des Marktplatzes für die teilnehmende Kunsthandwerksbetriebe und Hersteller natürlich unschlagbar. Der Erfolg der Landing Page steht und fällt allerdings mit der durch Amazon ermöglichten Sichtbarkeit mittels Verlinkung auf anderen Amazon-Seiten und mit dem Engagement der beteiligten italienischen Kooperationspartner. Denn nicht nur italophile Kunden aus aller Welt, sondern auch Touristen vor Ort sollten ausreichend über Made-in-Italy informiert werden. Schließlich zielt auch das Video auf genau jene Zielgruppe ab, die nach dem Urlaub den kommerziellen Kontakt zum Produzenten in Italien halten möchte.