Mit bald 100 Marktplatzprofilen, im Brucker Netz „Partner“ genannt, war der Online-Marktplatz aus dem bayrischen Fürstenfeldbruck Nähe München eine der größten digitalen City-Initiativen überhaupt. Der Marktplatz wurde allerdings nicht in Kooperation mit städtischen Institutionen oder Gewerbevereinen betrieben.

Vom Start weg im September 2016 waren bereits 69 Profile online gestellt, darunter allerdings ein hoher Anteil an Schaufensterprofilen von Dienstleistern und Gastronomen sowie relativ viele Platzhalter-Profile, die lediglich Logo und Hausadresse angaben.

Bewertung durch LocalCommerce.info

Gelungene Umsetzung

Die prinzipielle Offenheit der Plattform für ein großes Spektrum an Gewerbetreibenden ist sicherlich begrüßenswert. Auch wenn (noch) keine entsprechenden Filtermöglichkeiten – etwa nach Handel, Gastronomie oder Dienstleistungen – gegeben ist. Vor allem lokale Online-Händler bereichern den Online-Marktplatz, ist bei ihnen doch die Anbindung von Warenwirtschaften festzustellen. Sie sorgen also für Relevanz auf der Produktebene, weil sie eine kritische Masse an Produkten online bringen.

Die Brucker Firma die systementwickler, die den Marktplatz betreibt, versucht auch auf der logistischen Ebene dem Kunden entgegenzukommen. So ist im Check-out sowohl eine Abholstation (zzgl. 3,90 €) definiert als auch die Möglichkeit zur Selbstabholung im Geschäft (zzgl. 1,00 €) oder eben der nationale Versand an eine Lieferadresse (zzgl. 4,90 €). Die Betreiber kommunizieren dabei sehr transparent, dass man bemüht ist, die lokale Lieferung CO2-frei per Radkurier zu bewerkstelligen. Bestelllungen bis 12 Uhr werden taggleich ausgeliefert. Ist der Kunde zwischen 15 und 18 Uhr nicht anzutreffen, wird die Ware in der Abholstation, einem verkehrsgünstig gelegenen Restaurant, von 17 bis 23 Uhr hinterlegt.

Positiv fällt auch das zur Verfügung stehende Onsite-Werbemodell auf, mit dem sich teilnehmende Unternehmen mehr Sichtbarkeit auf der Startseite verschaffen können. Allerdings wünscht man sich hier natürlich mehr Esprit in der Darstellung und Ansprache, z. B. durch eindeutige Call-to-Actions wie Gewinnspiele, Themenwelten oder emotionale Bildformate.

Optimierungsbedarf

Bei den Profilen fehlen elementare Angaben wie Öffnungszeiten oder ein Lageplan. Außerdem sind kaum Profile – auch nicht jene von stationären Händlern – näher beschrieben. Mitunter wird so auch nicht deutlich, ob es sich um einen stationären Händler, Dienstleister oder einen reinen Online-Händler aus Fürstenfeldbruck handelt. So

Eine Kategorisierung der Profile nach eben diesen Schubladen (und natürlich auch nach Angebots- bzw. Sortimentskategorien) würde dem Marktplatz gut tun. Schließlich kommt ein Filter jenseits des Suchschlitzes dem Nutzer entgegen. Immerhin geben manche Profilbesitzer per Text über ihre Ausrichtung Auskunft. So heißt es beim Anbieter Zaubermode: „Wir sind ein Online Shop, ohne Ladengeschäft. Wundern Sie sich daher nicht, wenn Sie unter unserer Anschrift kein Geschäft vorfinden.“

Die gewählten Fotos (Innen- und Außenansichten des Geschäfts, Impressionen des Sortiments etc.) sind ebenfalls – wenn überhaupt vorhanden – von minderer Qualität. Die Persönlichkeit des Inhabers wird in den allermeisten nicht herausgestellt. In der Anbieter-Übersicht herrscht zudem ein wenig ansprechendes Sammelsurium an Logobildformaten. Hier wäre eine einheitliche Vorgabe hilfreich (z. B. mit/ohne Hintergrund) und augenschmeichelnd.

Fazit

Offensichtlich ist, dass das Onboarding der Partner und die Pflege eines Schaufensterprofils in die Hände des Profilbesitzers gelegt wurde. Inwieweit hier eine Handreichung in Form von Formatvorgaben oder Spezifikationen gegeben wurde, kann LocalCommerce.info nicht beurteilen. Mehr Stingenz und Einheitlichkeit in der textlichen wie bildlichen Darstellung aber würde dem Marktplatz sicher gut tun. Ansonsten bleibt zu befürchten, dass er – nicht zuletzt aufgrund der geringen Anzahl verfügbarer Produkte – als schlechte Gelbe-Seiten-Alternative an Relevanz verliert. Gleiches gilt für das generelle Erscheinungsbild des Marktplatzes. Dem Frontend täte etwas mehr Spritzigkeit sicherlich gut. Dies gelänge auch ohne Einschränkung der gegebenen Nutzerfreundlichkeit. Freilich bedeutet das ein Mehraufwand für den IT-Infrastrukturgeber und Betreiber des Marktplatzes, würde aber auch die relativ hoch angesetzte Aufnahmegebühr rechtfertigen.