Viel Kritik musste der 2017 von der Österreichischen Post AG initiierte nationale Online-Marktplatz einstecken. Unbeeindruckt des medialen Störfeuers und natürlich mit kräftiger Unterstützung des Coronavirus‘ hat sich das Local-Commerce-Projekt jedoch fest in der Onlinehandels-Landschaft Österreichs etabliert. Kürzlich wurde das tausendste Unternehmen auf der Infrastruktur begrüßt.

Wie es der Zufall (oder die PR-Abteilung) will, ist es ein Bilderbuchunternehmen des Strukturwandels, das Robert Hadzetovic, Geschäftsführer von shöpping.at, als Jubiläumshändler willkommen heißt. Denn hinter dem „Roman Shop“ steckt ein in 5. Generation tätiges Familienunternehmen, das ursprünglich mit Schmiede, Landtechnik und Nutzmaschinen gestartet ist, vor rund 20 Jahren sein Produktangebot um Outdoor-Spielwaren wie etwa hochwertigen Kinder Go-Karts und Trampolinen erweitert hat und nun sowohl mit eigenem Online-Shop als auch als Marktplatzhändler österreich- und europaweit seine Ware verkauft.

Europäisches Vorzeigemodell

Hat sich hierzulande in Deutschland insbesondere die DHL mit dem eingestellten Marktplatzmodell Allyouneed und später gar mit AllyouneedCity kräftig die Finger verbrannt, scheint sich der Logistiker aus dem Alpenland organisches Wachstum und strategischen Weitblick auf die Fahnen geschrieben zu haben. Dass man sowohl technisch-konzeptionell als auch die Herausforderung konsistenter Produktdaten betreffend verlässliche Dienstleister an Bord hat und eine stringende Onboarding-Strategie verfolgt, kommt obenauf.

Auch wenn aus den zu Beginn noch geplanten lokalen Subplattformen –  klassischen lokalen Online-Marktplätzen im Rahmen der Gesamtinfrastruktur also – bislang nichts geworden ist, zeigt shöpping.at sehr wohl, dass es einen dritten Weg zwischen Amazon und betriebsindividueller E-Commerce-Exzellenz vor allem auch stationärer Händler geben kann. Noch dazu ein Modell, das wohl wie kein anderes in Europa regionale Wertschöpfung auf ein digitales Fundament stellt.

Verdreifachung des Umsatzes in 2020

Die Zustellung der über shöpping.at verkauften Produkte erfolgt in allen Fällen durch die Österreichische Post, Online-Shopper*innen profitieren damit nicht nur von bequemen Empfangslösungen – wie der Abstellgenehmigung, Paketumleitung, Post Empfangsboxen, Wunschfilialen und Abholstationen – sondern können auch sicher sein, dass alle Sendungen CO2-neutral zugestellt werden.

Die Zugriffszahlen auf der Plattform haben sich in Spitzenzeiten des Corona-Shutdowns verzehnfacht. 2,3 Mio. Produkte sind mittlerweile auf dem Marktplatz verfügbar. Aktuell greifen rund 700.000 User pro Monat auf die Website zu. 200.000 Pakete wurden im ersten Halbjahr bereits über shöpping.at verschickt. Lag der Handelsumsatz 2019 noch bei knapp 20 Millionen Euro, werden für 2020 rund 60 Millionen erwartet.