Ende Februar 2020 erst streckte der ambitionierte regionale Online-Marktplatz Onloka in Emmendingen die Segel. Das war kurz vor Ausbruch der Corona-Krise und dem Shutdown des Einzelhandels jenseits der versorgungsrelevanten Geschäfte. Nun wurde die Plattform als Gutscheinverkaufsplattform reaktiviert, damit den leidenden Händlern vor Ort wenigstens die Quasi-Hilfskredite der Konsumbevölkerung bleiben.

Bild: Screenshot, AH
Onloka als Nothilfeplattform (Bild: Screenshot, AH)

Abgesehen davon, dass wir noch nicht einschätzen können, ob die bundesweiten Gutscheinaktionen zur Rettung der Innenstädte und lokalen Geschäfte wirklich zünden, liegt hier eine bittere Ironie der Geschichte vor: Die engagierten Betreiber schlossen den Marktplatz damals mit der Begründung, das Interesse der Kunden hätte zu sehr auf den Lebensmitteln gelegen, weshalb andere Sortimente wie Mode, Dekoration oder Haushaltswaren kaum in den Warenkörben landeten. Nun ist dieser Zusammenhang bei regionalen/lokalen Online-Marktplätzen ohne nationaler Reichweite sicher nichts Ungewöhnliches, aber dass ausgerechnet jetzt, da allenthalben Online-Vertiebsplattformen aus dem Boden sprießen, der Restart nicht gelingen will, ist schade.

Dieser Umstand soll aber allen Städten eine Warnung sein, die gerade meinen, mit ein bisschen E-Commerce-Baukastensystem und einer rührigen Wir-stehen-zusammen-Rhetorik gelänge der Einstieg ins Local Commerce. Auch in Emmendingen scheiterte die Vertriebsplattform sicher nicht am Code und der werblichen Ansprache, erst recht nicht am Engagement der Betreiber. Die Gründe liegen sicher wie Schrotkugeln verteilt im gewagten Geschäftsmodell, in aufwändigen Change-Management-Prozessen, in fehlender Grundfinanzierung über die öffentliche Hand oder Fördergeldern und einem zähen Händlernhinterherrennen, in fehlenden konsistenten Produktdaten, rechtlichen Hürden wie Kennzeichnungsverordnungen oder in einem prä-corona-typischen Anti-Online-Mindset der stationären Händler vor Ort.