Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sehr der coronabedingte Shutdown Digital-Initiativen für das lokale Gewerbe und Städte ins Rollen gebracht hat. Viele Anbieter, insbesondere Infrastrukturanbieter für Online-Schaufenster, sind im Zuge des Hackathons der Bundesregierung WIRVSVIRUS entstanden, tun sich mitunter aber schwer, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ein Lösungsanbieter aus Münster jedoch hat es nun in den renommierten Podcast „Kassenzone“ des E-Commerce-Experten Alexander Graf geschafft (siehe Video).

Auch wenn im Interview mit Alexander Ludwig von DeineStadtbringt’s mitunter Äpfel mit Birnen verglichen werden (Online-Schaufenster/Gewerbeverzeichnisse sind keine lokalen/regionalen Online-Marktplätze wie wir sie verstehen), ist die Auseinandersetzung der E-Commerce-Szene mit einem Online-Sichtbarkeitsmodell für das lokale Gewerbe doch eine umfangreiche Notiz wert.

White Label für Unternehmensverzeichnisse

Die white-label-konzipierte Plattform DeineStadtbringt’s ist nämlich aufgrund ihrer Schlichtheit eine wohltuende Alternative zu vielen aus dem Boden gestampften Online-Schaufenstern der letzten Monate. Sie fokussiert nur auf die Kontaktdaten der Unternehmen, begeht dabei nicht den Fehler Logos oder schlechte Bilder der gelisteten Geschäfte platzieren zu lassen, hat aber mit schlichten Filter und orts- bzw. stadtteilsegmentierten Einstiegsoptionen eine hohe Orientierungsrelevanz.

Dass die Suche auf der Plattform optimierungsbedürftig ist, weil etwa nur Keywords aus dem kurzen Beschreibungstext der Geschäfte und Betriebe im Suchergebnis aufgegriffen werden (und bspw. keine Markendatenbanken, Sortimente etc.), ist angesichts der vor allem in Münster vorliegenden hohen Abdeckung an Gewerbeadressdaten zu verkraften.

Es handelt sich also um eine hübsch, weil reduziert aufgemachte Adressliste, die jedoch als White-Label-Konzept aus DeineStadtbringt’s Dortmundbringt’s oder Warendorfbringts etc. macht. Die Reduktion ist natürlich auch deshalb angenehm, weil hier nicht wie auf anderen Verzeichnisplattformen wie Gelbe Seiten, meinestadt.de oder golocal Geld mit Werbung oder Stellenanzeigen verdient werden muss – noch nicht.

Für die jeweilige Stadt werden zudem Partner an den Start gebracht – siehe z.B. Warendorfbringt’s –, die sich dann jedoch auch als „Administrator“ um die Konsistenz der Adressdaten und Beschreibungen kümmern müssen. Außerdem können weitere lokale Partner als Sponsoren aufgeführt werden.

Willkommen in der Szene der Local-Commerce-Infrastrukturgeber

Zwar ist die Plattform noch weit von einem wirklichen Geschäftsmodell entfernt, es würde mich jedoch nicht wundern, wenn aus dieser zunächst freiwillig und mit Blick auf Soforthilfe während des Shutdowns ausgerichteten Plattform ein Gassenhauer wird. Denn auch Adresslisten auf Gewerbevereinsseiten oder Stadtportalen kosten Mühe und Kraft – da kommt ein Local-Commerce-Infrastrukturgeber auf niedrigster Komplexitätsstufe gerade recht. Ums „Kümmern 2.0“ kommt allerdings auch diese White-Label-Lösung nicht umhin.

Das Interview samt eines Kommentars von mir darunter ist hier nachzulesen/nachzuhören. Das gut halbstündige Video dazu:

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