Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel 2021 gekürt

Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert​ hat fünf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus den Branchen Handwerk, Lebensmittel, Möbel, Spielwaren und Sport als „Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel 2021“ ausgezeichnet.​ Nachdem die Publikation, die die erfolgreichen Digitalisierungsprojekte der fünf Mittelständler beschreibt, bereits Anfang des Jahres erschienen ist, erhielten die Gewinnerinnen und Gewinner nun ihre offiziellen Siegesurkunden.

Die Digitalen Champions wurden im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie von ibi research an der Universität Regensburg und dem IT-Dienstleister DATEV eG zusammen mit einer Jury ermittelt. Aus einer Vielzahl an Bewerbungen und Vorschlägen wählte eine Fachjury aus Handelsexpert:innen des Bayerischen Handelsverbandes, der Industrie- und Handelskammern, des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Steuerberaterkammern München und Nürnberg, der Projektpartner sowie Vertreter:innen der Digitalen Champions im bayerischen Einzelhandel 2020 fünf bayerische Einzelhandelsunternehmen aus, die in vorbildlicher Weise Digitalisierungsvorhaben umsetzen bzw. bereits umgesetzt haben und damit anderen Handelsunternehmen Orientierungshilfe geben.

Am 7. März 2022 sind nun die Preisträger im Bayerischen Wirtschaftsministerium zur feierlichen Urkundenübergabe zusammengekommen. Das fünfte Gewinnerunternehmen, Frischemarkt Popp, konnte leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert würdigte die innovativen digitalen Lösungsansätze der Betriebe und hob ihren Vorbildcharakter heraus.

Das sind die fünf Gewinner:

Frischemarkt Popp e.K., Würzburg (Unterfranken)
Der Lebensmittelhändler hat als einer der ersten Supermärkte in Deutschland die Scan&Go-Lösung „Supersmart“ eingeführt. Diese ermöglicht das Einkaufen via Scanner-App und KI-gestützter Waage für den Einkaufswagen zur Gewichtsvalidierung. Wartezeiten an der Kasse entfallen damit.

Sport Lang, Vohenstrauß (Oberpfalz)
Kund:innen können u.a. mit einem Telepräsenzroboter namens „Thorsten“ durch das Sporthaus fahren und sich online live beraten lassen, ohne vor Ort sein zu müssen. Die gewünschten Artikel werden anschließend zur Kundschaft nach Hause geliefert.

Spielkiste, Lam (Oberpfalz)
Der Holzspielwarenhändler setzt bereits seit vielen Jahren auf den Vertrieb über Marktplätze und den eigenen Online-Shop. Mit Hilfe der eigens entwickelten Versandsoftware „SimpleSell“ konnte das Familienunternehmen zudem seinen Versandprozess optimieren und spart dadurch Zeit und Ressourcen.

Möbel Fischer GmbH, Herzogenaurach (Mittelfranken)
Der Einzelhändler für Küchen, Möbel und Accessoires hat innerhalb von fünf Jahren zahlreiche Digitalisierungsprojekte – angefangen bei digitalen Beratungsangeboten, über Online-Marketing-Maßnahmen bis zu durchgängig digitalen kaufmännischen Prozessen – umgesetzt und ist damit ein Paradebeispiel für ein gelungenes Change Management. 

ELEO GmbH, Großheirath/Buchenrod (Oberfranken)
Der Schmiedekunst-Händler hat einen einzigartigen Ansatz entwickelt, um eine digitale Verbindung von Maßfertigung und Individualisierung nach Kundenwunsch herzustellen: einen Zaunkonfigurator mit über 4.000 3D-Modellen auf ReactJS Basis, der in den Online-Shop integriert ist.

Ausführliche Informationen, die komplette Publikation sowie Podcasts mit den Preisträgern über ihre Digitalisierungsprojekte finden Interessierte unter https://digitale-champions.bayern.

Einblicke in den Einzelhandel von morgen: Die Schuh Keller KG aus Ludwigshafen

Der Umsatz des Online-Handels wächst stetig. Im Jahr 2020 stieg er in Deutschland um 23 Prozent auf 73 Milliarden Euro. Das Wachstum wurde durch die Corona-Pandemie erheblich beschleunigt. „Fashion & Accessoires“ stellt dabei die führende Branche mit einem Umsatz von 39,8 Milliarden Euro knapp vor „CE/Elektro“ (38,9 Milliarden Euro) dar (Handelsverband Deutschland – HDE e.V. 2021). Die beschriebenen Entwicklungen führen dazu, dass lokale, meist inhabergeführte Einzelhändler*innen um ihre Existenz gebracht werden. Als Lösung wird häufig der Einstieg in den E-Commerce oder die Steigerung der digitalen Sichtbarkeit genannt.

Die Schuh Keller KG in Ludwigshafen am Rhein zeigt, wie man stationären Handel mit Online-Handel kombinieren kann. Das Unternehmen gibt es bereits seit 1936. Der historisch gewachsene Familienbetrieb ist ein klassisches Schuhgeschäft für die Bereiche Damenschuhe, Herrenschuhe, Comfort-Schuhe sowie für Wanderschuhe und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vorbildlich den neuen Herausforderungen gestellt.

Wir haben mit Herrn Markus Keller-Leist, Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Schuh Keller KG, gesprochen. Im Interview verrät er uns, was sein Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierung unternimmt, was seine Erfolgsfaktoren sind und was er sich für sich, sein Unternehmen und andere Einzelhändler*innen in Zeiten globaler Krisen für die Zukunft wünscht.

Allgemeines zur Schuh Keller KG

Verena Birkmann: Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Ihrem Unternehmen momentan beschäftigt? Und wie verteilen sich diese auf den Online-Bereich und das stationäre Geschäft?

Herr Keller-Leist: Wir haben momentan 15 Mitarbeiter*innen. Wir trennen dabei aber nicht strikt in online und offline, sondern das ist eher so ein Hin- und Herspringen. Man kann sagen, dass der Großteil nach wie vor für das stationäre Geschäft tätig ist. Vier Mitarbeiter*innen kümmern sich überwiegend aber um den Versand.

Verena Birkmann: Bilden Sie denn auch selbst im Betrieb aus? Und wenn ja, welche Berufe kann man bei Ihnen erlernen?

Herr Keller-Leist: Wir sind natürlich vom Fachkräftemangel betroffen. Aber ja, wir bilden auch aus. Und zwar bieten wir Ausbildungen zum/zur Verkäufer*in und zum/zur Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel an. Seit drei Jahren bieten wir auch die Ausbildung zum/zur Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce an.

Verena Birkmann: Das heißt, Sie waren einer der Ersten, die die Ausbildung zum/zur Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce angeboten hat, richtig? Die Ausbildung gibt es erst seit 2018.   

Herr Keller-Leist: Genau, richtig. Ich habe gerade erst das Zwischenzeugnis der Auszubildenden unterschrieben. Sie macht jetzt im Sommer ihre Abschlussprüfung.

Die Offenheit gegenüber Neuem

Verena Birkmann: Im Rahmen unserer Recherche sind wir darauf gestoßen, dass Sie als einziges Einzelhandelsgeschäft beim Pilotprojekt in Ludwigshafen im Jahr 1995 teilgenommen haben. Können Sie uns dazu etwas erzählen?

Herr Keller-Leist: Mit der Schließung der Kaufhof-Filiale hier in direkter Nähe und dem Bau des Rathaus-Centers wurden wir in kürzester Zeit von einer 1A zu einer 2B-Lage. Deswegen waren wir schon früh dazu gezwungen, etwas zu tun. Das heißt, wir haben uns spezialisiert und uns auf den Service fokussiert, aber wir wollten weiterhin hochwertige Ware verkaufen. Und das haben wir, bis heute, durchgezogen. Bereits im Jahr 1990 haben wir uns für einen Versandkatalog für den Bereich der Berg- und Wanderschuhe entschieden, sodass wir damals schon mit dem Versand von Ware starteten. Und dann kam das Pilotprojekt der Stadt Ludwigshafen, bei dem man sich für einen minimalen Betrag im Jahr auf der Startseite von Ludwigshafen.de – das wäre heute undenkbar – präsentieren konnte. Und damals haben die Kolleg*innen gesagt „Ja Internet, wir schauen uns das erstmal aus der Ferne an, was da überhaupt passiert.“ Und wir fanden die Idee gut, haben uns daraufhin einen Computer angeschafft, um uns ebenfalls anzusehen, was da überhaupt passiert. Naja, da ist auch noch nicht viel passiert. Es kam vielleicht jedes halbe Jahr eine E-Mail, aber wir hatten die Technik, wir haben uns damit befasst und es ging die nächsten ein, zwei Jahre dann auch immer weiter. Aus der kleinen Visitenkarte auf der Startseite wurde dann eine eigene Homepage. Diese hatte lediglich drei Seiten mit einem Bild vom Haus, unserem Sortiment und den Öffnungszeiten – das war’s! Und dann haben wir uns nach einem Online-Shop erkundigt, welcher dann 1998 ins Netz gestellt wurde und sagenhafte 200 Artikel abbildete. Von da an haben wir uns langsam in die Bereiche online und digitales Einkaufen vorgetastet.

Verena Birkmann: Würden Sie behaupten, dass diese Entwicklung noch einmal durch die Eröffnung der Rhein-Galerie verstärkt wurde?

Herr Keller-Leist: Nein. Ludwigshafen ist eine Mittelstadt mit den typischen Problemen dieser Städte. Das ist kein Ludwigshafener Problem. Dieses Problem haben Städte in dieser Größenordnung im Allgemeinen und die Rhein-Galerie hat dafür gesorgt, dass man eine gewisse Frequenz an Kunden in der Fußgängerzone hat. Ich bin da gar nicht so negativ eingestellt, was die Rhein-Galerie angeht. Ich glaube, es wäre sogar schwieriger heute, wenn sie nicht da wäre. Dass die Geschäfte aus der Innenstadt verschwunden sind, hat viele andere Gründe. Zum Beispiel die Hauseigentümer und Hausverwaltungen, die immens hohe Mieten verlangt haben. Diese müssen jetzt erst mal wieder so langsam mit den Füßen auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und lernen, dass der Einzelhandel nicht alles bezahlen kann.

Verena Birkmann: In Ihrem stationären Geschäft legen Sie einen großen Wert auf gute Beratung. Diese kombinieren Sie auch mit neueren Techniken. Ich habe gelesen, Sie haben vor Ort ein digitales Gerät zur Fußvermessung?

Herr Keller-Leist: Ich glaube, dass der stationäre Einzelhandel nach wie vor seine absolute Berechtigung hat. Die Kunden kommen gezielt. Dieses Bummeln und „wir gehen mal einkaufen und kaufen die Wintergarderobe“ – das ist ziemlich vorbei. Die Leute gehen gezielt wo hin, erwarten dann aber auch eine entsprechende Beratung. Also wenn der Verkäufer nur einen Bruchteil von dem weiß, was der Kunde weiß, dann hat er natürlich ein Problem. Und wir haben gemerkt, dass auch die älteren Kunden ganz affin für neue Techniken sind, wie zum Beispiel der digitalen Fußvermessung. Aber trotzdem möchten Sie eben das Klassische nicht missen. Unser Laden ist mehr wie ein Wohnzimmer: gemütlich hinsetzen, eine Tasse Kaffee trinken und ankommen. Aber eben genau das kombiniert mit moderner Technik. Wir bieten auch schon seit vier Jahren freies WLAN im Laden an. Ich war kein Fan davon, so etwas zu blocken. Es gab mal eine Zeit, wo Geschäfte Internet, Mobilfunk und so weiter im Laden geblockt haben, weil sie gesagt haben, der Kunde soll nicht vergleichen können. Aber wenn er vergleichen will, dann macht er das ja trotzdem, dann geht er vor die Tür.

Verena Birkmann: Das heißt aber auch, die Kunden haben dann vor Ort die Möglichkeit gezielt ins Internet zu gehen, um dort vergleichen zu können?

Herr Keller-Leist: Sie hätten die Möglichkeit. Wir merken, dass auch die Kunden aufgrund der Beratungsleistung bereit sind, den vollen Preis zu bezahlen. Bei uns kommen die Kunden gezielt und wenn sie das billigste Produkt haben wollen würden, dann würden sie wahrscheinlich eher auf den großen Plattformen suchen, weil sie es dort billiger bekommen würden. Aber es hat ja einen Grund, warum sie zu uns kommen. Wir beraten, wir schauen, dass der Schuh die optimale Passform hat und wir stehen auch nach dem Kauf für die Kunden ein. Und deswegen kommen sie und sind auch bereit für diese Serviceleistung zu bezahlen.

Der Online-Shop als Lösung?

Verena Birkmann: Sie haben ja bereits angesprochen, dass Sie Ihren eigenen Online-Shop schon seit Ende der 1990er Jahre führen. Ich habe gelesen, dass Sie zwischenzeitlich sogar vier Online-Shops hatten. Ist das noch aktuell?

Herr Keller-Leist: Nein, das war aus der Geschichte heraus. Also wir haben immer mal wieder experimentiert und wir waren relativ früh mit unserem eigenen Online-Shop online. Aber wir waren kein Online-Händler. Wir waren stationärer Händler mit einem angeschlossenen Online-Shop und so hat es funktioniert. Und solange die Wettbewerber nicht so stark waren und teilweise noch gar nicht da, hat das alles gut funktioniert – auch die Umsätze. Irgendwann haben wir dann gesagt, dass wir Spezial-Shops aufbauen möchten. Das waren dann die Bereiche Berg- und Wanderschuhe, Jagd-Schuhe und Einsatz-Schuhe. Letzteres Feld ist weggebrochen, weil die Bundeswehr sich mittlerweile bei den Herstellern direkt versorgt und die beiden anderen waren schwierig. Wir mussten einfach lernen, dass wenn wir einen kleinen Online-Shop mit nur 300-400 Artikeln haben, dass wir unheimlich viel Geld in die Hand nehmen müssen, um gefunden zu werden. Bis 2017 hatten wir sinkende Umsätze im Online-Bereich zu verzeichnen. Wir hatten niemanden, der uns richtig beraten hat. Natürlich haben wir etwas Werbung gemacht, aber es war nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das lag aber auch daran, dass wir stationärer Händler waren. Das andere lief so nebenbei und die reinen Online-Profis haben uns den Rang abgelaufen. 2017 kam dann die Überlegung: Was machen wir? Gehen wir auch auf die Plattformen und verkaufen auf Amazon, Schuhe.de und solche Geschichten. Da gibt es einige. Aber wir wollten keine Daten aus der Hand geben. Und dann kam eben der Kontakt zu einem Freund von mir, der sagte: „Ich mach mich in dem Bereich selbstständig und mache eine eigene Plattform.“ Daraus entstand dann die Shopfair GmbH und wir waren Pilothändler. Wir haben das ausprobiert und im ersten halben Jahr gemerkt, dass es für uns funktioniert. Und durch die Kontakte mit den Leuten, die reine Onliner waren, konnten wir dann auch unseren eigenen Online-Shop optimieren. Das heißt, wir haben die Sub-Shops abgeschafft, haben uns auf Schuh-keller.de konzentriert und haben gemerkt, dass die Umsätze nach oben gingen. Und so hätte das eigentlich weitergehen können, wenn der Gründer der Shopfair GmbH sich nicht wieder aus dem Bereich zurückgezogen hätte. Nach einer kurzen Überlegung habe ich dann beschlossen, dass wir diese kleine Firma, die Shopfair GmbH, selbst übernehmen. Und aus den 3-4 Händlern zu Beginn sind wir Stand heute über 60 Händler geworden. Wir versuchen diesen Händlern eine Serviceleistung und eine Alternative zu den großen Plattformen zu bieten. Aber eben auch bei Fragen zu Social Media und als Hilfestellung bei anderen Online-Themen. Denn wir hatten diese Hilfe nicht und man merkt eben, wenn man keinen Spezialisten für Online-Handel hat, dann wird es schwierig. Und das ist für mich auch der Punkt, den ich bei vielen Händlern jetzt sehe. Die sehen: „Okay, online funktioniert. Ich habe zwei Jahre der Pandemie hinter mir. Ich mache jetzt auch einen Online-Shop.“ Dann lassen sie sich bei irgendeiner Agentur, die vielleicht auf Schuhe oder Kleidung spezialisiert ist, einfach einen Online-Shop entwickeln und geben dafür ihr letztes vorhandenes Geld. Und dann hat der Händler einen großartigen Onlineshop. Dann geht es weiter: Anbindung, Texte, Bilder. Hier dann einfach etwas von den Herstellern zu kopieren und dann auf den eigenen Online-Shop zu übertragen, sprich Doppelt-Content, bringt einen nicht nach vorne. Dann hat der Händler für viel Geld einen Online-Shop, der irgendwo im Nirvana bei Google ist und nicht gefunden wird und verdient auch kein Geld damit.  Also man muss die Händler darauf hinweisen, dass da, wenn sie den Online-Weg gehen möchten, Folgekosten auf sie zukommen werden. Das ist wie eine weitere Filiale. Die kostet auch Geld und erfordert Werbung und Manpower.  

Verena Birkmann: Sie selbst arbeiten mit eigenen Produktbildern, richtig? Sind diese dann nur für den eigenen Gebrauch gedacht, oder stellen sie diese auch den anderen Händlern zur Verfügung?

Herr Keller-Leist: Zum Großteil sind die für uns selbst. Aber wir arbeiten auch mit mehreren Händlern zusammen. Wir shooten ihre Schuhe, laden die Bilder anschließend in die Cloud und dort können sie sich dann die entsprechenden Bilder runterladen.

Verena Birkmann: Das heißt aber, Sie sind neben dem Bereich mit Endkunden auch im Bereich B2B tätig?

Herr Keller-Leist: Genau. Der nächste Bereich ist eben, dass wir auch mit den Herstellern zusammenarbeiten. Mittlerweile ist es so, dass viele Hersteller selbst an Endkunden gehen. Ich persönlich glaube aber, dass der Hersteller eher Hersteller bleiben sollte, denn die Kunden erwarten eine entsprechende Service-Leistung. Nur ganz wenige große, internationale Hersteller wird das gelingen. Man merkt im Outdoor-Bereich, dass die Hersteller die erforderliche Beratung nicht gewährleisten können. Darauffolgend wird es Probleme mit den Kunden geben, da sie das falsche Produkt haben und, dass sie unzufrieden sind. Insofern sehe ich den Handel als sehr wichtig an. Trotzdem glaubt die Industrie aber auch Wege zu kennen, um Lagerüberhänge oder Saisonware entsprechend verkaufen zu können.  

Verena Birkmann: Liegen Ihnen denn aktuelle Zahlen zum Durchschnittswarenkorb-Wert Ihres Online-Shops vor?

Herr Keller-Leist: Dieser liegt bei uns jenseits der 100-Euro. Das liegt aber auch daran, dass wir viele hochwertige Schuhe verkaufen. Gerade im Wanderschuh-Bereich, da gibt es nichts unter 150 Euro. Wir bieten wenige Schuhe unter 100 Euro an. Aber da ist der Durchschnittswarenkorb-Wert ein ganz wichtiges Thema. Meiner Meinung nach ist es bei einem Warenkorb, der unter der 60-Euro-Grenze liegt, schwierig noch etwas zu erwirtschaften. Man muss davon noch die Mehrwertsteuer, das Porto, die Verpackung und die Zeit abziehen. Besser sind da 80 oder 100 Euro.

Verena Birkmann: Haben Sie denn auch aktuelle Zahlen zu den Retouren-Quoten? Ich habe gelesen, dass man bei Ihnen im Nachgang einer Bestellung eine E-Mail erhält, ob man das richtig bestellt hat, oder ob es die richtige Größe ist.

Herr Keller-Leist: Retouren sind ein ganz großes und wichtiges Thema. Wir versuchen stets unsere Online-Seiten zu optimieren, dass der Kunde dort bereits Informationen zur Größe erhält, aber auch die Möglichkeit hat, eine E-Mail zu schreiben oder das Service-Telefon zu benutzen. Wir möchten schon bei der Bestellung die richtige Größe für den Kunden generieren. Beim Eingang einer Bestellung, erhält der Kunde automatisch eine E-Mail: „Vielen Dank! Haben Sie an die richtige Größe gedacht?“ Diese ist auf die entsprechende Warengruppe angepasst und hat das Ziel, Fehlbestellungen zu vermeiden. Unsere Retouren-Quote liegt zwischen 28 und 30 Prozent.

Verena Birkmann: Wie viele Bestellungen erhalten Sie täglich oder wöchentlich in Ihrem Online-Shop?

Herr Keller-Leist: Das schwankt natürlich. Also in der Regel ist Montag unser stärkster Tag, weil das Wochenende dazwischen liegt. Mein Online-Team ist an Samstagen bis 14 oder 16 Uhr da. Danach gehen weitere Bestellungen ein, die aber dann bis Montag liegen bleiben. Deswegen haben wir montags häufig zwischen 80 und 100 Bestellungen.

Verena Birkmann: Das ist ganz schön ordentlich! Sehen Sie denn dann auch einen Zusammenhang zwischen Ihrem stationären Geschäft und dem Onlineshop? Also informieren sich die Kunden beispielsweise online über Ihre Produkte und kommen dann gezielt in den Laden, um Schuhe zu probieren?

Herr Keller-Leist: Ganz klar: ja! Interessanterweise erreichen wir online Kunden, die in der Nähe oder sogar in Ludwigshafen wohnen, die uns nicht kannten. Wir haben Kunden, die von weither kommen und dann einen Ausdruck von Schuhen aus unserem Online-Shop mitbringen, die sie gerne probieren möchten. Oder sie zeigen uns die Schuhe auf dem Handy. Also die Leute sind da mittlerweile unheimlich. Wenn sie sich so etwas Hochwertiges kaufen, dann informieren sie sich vorher. Ob der Händler jetzt einen Online-Shop hat oder nicht hat, das ist egal. Er braucht aber auf jeden Fall eine gute Webseite, die dem Kunden einen Mehrwert liefert. Also eine Webseite, die Informationen zu Parkplätzen und zur Anfahrt enthält oder vielleicht auch eine Terminvereinbarung anbietet. Diese Angebote nutzen die Kunden gerne – im Übrigen auch Ältere. Als wir, während der Pandemie, die Impf- und Testzertifikate überprüfen mussten, zückten 99,9 Prozent der Kunden von Jung bis Alt ein Smartphone. Als ich einmal selbst an der Türe stand, kam eine Kundin, die meinte, dass Sie zwar kein Smartphone besäße, dafür aber ein iPad, das sie mir dann zeigte. Weil man immer sagt: „Internet ist etwas für die Jüngeren.“ Ich kann aus eigener Erfahrung klar sagen: „Nein.“ Seit der Pandemie haben sich viele aufgerüstet, vielleicht kennen Sie es selbst aus dem Bekanntenkreis. Da zieht die kleine Enkelin für das Studium in die USA und die neue Technik erlaubt es, sich zu sehen und zu sprechen.

Verena Birkmann: Wie verteilt sich der Umsatz denn auf die beiden Kanäle? Also haben Sie das Gefühl, der stationäre Umsatz ist geringer geworden, seit Sie den Online-Shop haben? Oder ist der Gesamtumsatz gestiegen?

Herr Keller-Leist: Also wir konnten eine Steigerung bei beiden erreichen, weil es immer Leute gibt, die in den Laden kommen möchten. Ludwigshafen ist nicht die Stadt, durch die man durchbummelt.  Deswegen muss ich darauf achten, dass ich die Leute über den Online-Shop und die Werbung, auch über die Social-Media-Kanäle erreiche und hierher bewege. Und letztes Jahr war es das erste Mal, dass wir online mehr Umsatz als stationär gemacht haben.

Verena Birkmann: Würden Sie sagen, dass diese Entwicklung aufgrund der Corona-Krise eingetreten ist?

Herr Keller-Leist: Zum einen haben wir unheimlich viel gemacht. Wir haben den Online-Shop optimiert und beworben. Mittlerweile haben wir alle vier Wochen Meetings mit unseren Webmastern und unseren Social-Media-Beauftragten. Zum jetzigen Stand kann ich sagen, dass der Januar auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr angesiedelt ist. Und ich denke, dass wir online sicherlich nicht an Umsatz verlieren werden. Es bleibt zu hoffen, dass das stationäre Geschäft dieses Jahr nicht wieder geschlossen werden muss. Da muss man abwarten, wie das weiterläuft.

Verena Birkmann: Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie wählen? Für immer online oder für immer offline?

Herr Keller-Leist: Das ist gar nicht so einfach. Ich muss ehrlich sagen, dass ich vom Herzen her stationärer Händler bin und die Pandemie war für uns wirtschaftlich nicht das Problem. Wir haben am Anfang geschaut, was man machen kann und haben Pläne aufgestellt. Als wir gesehen haben, dass online einiges hilft, waren wir entspannter. Das Schlimme für mich war die Tatsache, dass man einen großartigen Laden mit neuer Ware hat, der mittlerweile zum dritten Mal geputzt ist und man ihn nicht öffnen durfte. Also insofern, vom Herzen her und auch aufgrund des Kontakts mit meinen Kunden bin ich stationärer Einzelhändler. Aber ich sehe die Chancen des Online-Handels. Ich mag diese Schnelligkeit, auch die Art und Weise den Kunden zu beraten. Wir haben zwischenzeitlich zum Beispiel auch einen Video-Chat angeboten. Es hat schon seine Vorteile und so, wie wir es momentan aufgestellt haben, sehe ich da durchaus eine große Zukunft. Ich kann diese Auswahl stationär so nur gewähren, wenn ich einen zweiten Kanal, in dem Fall online, habe. Und deswegen ist es ein Ineinandergreifen beider Kanäle.

Verena Birkmann: Bei den Umsätzen im Online-Bereich dominiert wahrscheinlich Ihr Online-Shop vor der shopfair24.de-Plattform, richtig?

Herr Keller-Leist: Ja, ganz klar. Das andere ist ein Kanal und ein Hilfsmittel, um die Lager-Drehzahlen zu erhöhen. Wenn sich heutzutage ein Händler für den Online-Verkauf entscheidet, dann ist das nicht das Wunschlos-Glücklich-Paket, sondern er muss genauso mitdenken, wie wenn er stationär eine Filiale hätte. Das heißt, er muss sich entscheiden, ob er den Artikel online mitaufnimmt, oder ihn online lieber nicht verkauft. Wenn ich einen Artikel habe, der im Laden gut funktioniert, dann habe ich damit die größte Marge, weshalb ich ihn nicht online verkaufen werden. Vielleicht am Ende der Saison oder in der Mitte der Saison, wenn es etwas ruhiger wird. Aber ich muss mich mit meiner Ware beschäftigen. Und das ist durchaus viel Arbeit.

Online-Sichtbarkeit erhöhen: Die Social-Media-Kanäle

Entweder man ist da affin dafür oder man gibt es in gute Hände.

Herr Keller-Leist

Verena Birkmann: Ich habe gesehen, dass Sie auch einen eigenen Facebook und Instagram Kanal und zusätzlich auch noch einen YouTube-Kanal besitzen, auf dem Sie verschiedene Pflege-Tipps vorstellen. Betreiben Sie diese komplett selbst oder haben Sie da Agenturen beauftragt?

Herr Keller-Leist: Ich habe eine kleine Agentur, die auch über shopfair24.de mit eingebunden ist. Natürlich muss man immer auch die Kosten senken. Zum einen ist da Facebook und Instagram, was relativ überschaubar ist. Wir bewerben auch unseren Facebook-Account und das funktioniert wirklich gut. Ich kann den Leuten den Ratschlag geben: Entweder man ist da affin dafür oder man gibt es in gute Hände. Am Anfang habe ich die Facebook-Posts gemacht und hatte so 2, 3, 4 Likes aus dem Bekanntenkreis. Dann hatte ich keine Zeit und hab es einer Mitarbeiterin übergeben, die das ihrer Generation entsprechend viel lockerer angegangen ist und das hat deutlich mehr gebracht. Mittlerweile habe ich das an zwei meiner Verkäuferinnen in Kombination mit einer Agentur abgegeben. Und die machen das eben zusammen. Wir haben so eine Aktion „Look of the Day“, bei der wir Mitarbeiter*innen fotografieren, die ein großartiges Outfit tragen. Und das funktioniert gut. Unser YouTube-Kanal funktioniert absolut hervorragend. Das hätte ich so nicht erwartet. Wobei wir hier immer Kosten und Nutzen in Relation setzen. Also ich kann kein abendfüllendes Format anbieten, sondern wir versuchen die Videos möglichst in einem Durchgang zu drehen und machen mehrere Videos in einer Sitzung, um das entsprechende Material zu haben. Das wird dann anschließend überarbeitet und hochgeladen.

Zur Zukunft

Verena Birkmann: Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft Ihres Betriebes?

Herr Keller-Leist: Da gibt es so einen Satz: Handel ist Wandel. Der war bei Schuh Keller immer schon ein Treiber. Und ich würde mir wünschen, dass dieser Gedanke auch so erhalten bleibt. Vor der Pandemie zum Beispiel war es für uns undenkbar, im Home-Office zu arbeiten. Der Umgang mit Mitarbeitern wird sich ändern. Also früher war es der klassische Acht-Stunden-Tag und ein Tag frei. Mittlerweile kommen die jungen Frauen wieder zurück aus der Elternzeit. Ich habe auch Mitarbeiter, also Männer, die ihren Anspruch auf Elternzeit wahrnehmen. Dem muss ich gerecht werden und kann nicht einfach sagen: „Ich will das nicht. Früher war alles anders.“ Für uns sind die Mitarbeiter ein sehr wichtiger Faktor. Und wenn ich zufriedene Mitarbeiter habe, dann habe ich auch zufriedene Kunden, die beraten werden. Und da muss ich drauf eingehen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor in der Zukunft.

Verena Birkmann: Sie sind ja auch ein sehr familiärer Betrieb. Ihr eigener Vater arbeitet auch noch mit, oder? Haben Sie denn Nachkommen, die das Geschäft weiterführen möchten? Oder haben Sie schon Pläne für die Zukunft, wer das Geschäft mal übernehmen wird?

Herr Keller-Leist: Genau, mein Senior ist 92 und ist immer noch mit dabei. Ich werde dieses Jahr 50. Bisher habe ich mich nicht mit dem Rücktritt oder der Rente beschäftigt.

Verena Birkmann: Da ist ja noch genug Zeit.

Herr Keller-Leist: Das ist so, weil ich auch das mache, auf was ich Lust habe. Ich selbst habe einen Sohn und ein Patenkind. Die beiden sind auch immer mal wieder im Laden mit dabei. Ich selbst halte aber nichts davon die Leute zu zwingen. Das Schöne ist, dass die beiden bei uns in die Firma kommen und sich frei bewegen können, wenn sie da Lust draufhaben. Und ich glaube, dass man so ein erfolgreiches Unternehmen führen kann. Meine Eltern haben mich auch nie zu etwas gezwungen. Ich sage immer, ich mache das, was ich kann und worauf ich Lust habe. Und so muss es funktionieren. Aber nichtsdestotrotz haben wir unser Unternehmen so aufgestellt, dass wenn aktuell mir oder meinem Senior etwas passieren würde, es trotzdem weitergehen würde. Das ist aber auch den Banken gegenüber ein sehr wichtiger Punkt. Ich kann meinen Händler-Kollegen nur raten, sich frühzeitig um die entsprechenden Verträge und Vereinbarungen zu kümmern. Ich bin ehrenamtlich Handelsrichter und erlebe es mehrmals im Jahr, dass es zu Situationen kommt, die ursprünglich nicht gewünscht waren, die dann aber, weil sie eben nicht geregelt wurden, zur bedrohlichen Situation für das Unternehmen wurden.

Verena Birkmann: Ja, da sollte man sich frühzeitig drum kümmern. Was würden Sie denn anderen Einzelhändler*innen für die Zukunft raten oder ihnen mit auf den Weg geben?

Herr Keller-Leist: Zum einen, individuell zu sein. Ich glaube, wenn Sie heute Einzelhändler sind und eine gute Auswahl eine gute Beratung haben, dann brauchen sie keine Angst vor der Zukunft zu haben. Online ist großartig. Aber es wird immer Leute geben, die in den Laden kommen und die Beratung möchten. Und das sind auch viele junge Leute. Wir haben bei uns im Laden viele junge Leute, die zum Beispiel nach dem Abitur durch Deutschland oder durch Europa wandern möchten. Und die wollen sich beraten lassen. Für die ist das großartig. Die erleben das mal aus einer neuen Perspektive und sind vor allen Dingen auch unheimlich interessiert an den Produkten. Auch wenn ich als Händler nicht in der 1A-Lage bin, habe ich die Möglichkeit, dass meine Kunden zu mir kommen. Man sollte, meiner Meinung nach, aber auch das Alte mit dem Neuen verbinden. Eine Homepage, moderne Zahlungsmethoden, ein moderner Laden. Solche Geschichten gehören, meiner Meinung nach, absolut dazu.

Verena Birkmann: Ich bedanke mich ganz herzlich auch im Rahmen meiner Kolleginnen und Kollegen!

Herr Keller-Leist: Ich bedanke mich bei Ihnen. Alles Gute! Dankeschön!

Die cima.digital bedankt sich bei Herrn Keller-Leist für die spannenden Einblicke und wünscht Ihm und seinen Unternehmen, der Schuh Keller KG, weiterhin alles Gute. Bei Rückfragen zum Thema vermitteln wir gerne den Kontakt. 

cima.digital sucht Händler*in

Sie alle kennen die Sendung „Rosins Restaurants“, in welcher der Sternekoch Restaurantbesitzern hilft, Problemfelder in ihrem Laden zu erkennen und diese zu beheben.
Der SWR überlegt ein ähnliches Format für Händler*innen zu drehen.

Wir, die cima.digital, würden Ladenbesitzer*innen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und/oder Hessen besuchen und Anregungen und Tipps geben, die helfen sollen, das Geschäft nach vorne zu bringen. Dies betrifft nicht nur mögliche Gestaltungstipps vor Ort, sondern auch Hilfe bei der Online-Präsenz des Ladens.
Es würden Vorher-Nachher-Besuche stattfinden, um zu sehen ob, und wie, die Tipps umgesetzt wurden.

Haben Sie Interesse als Ladeninhaber*in dabei mitzuwirken? Oder kennen Sie Händler*innen, die sich für dieses Format interessieren?

Hier geht es zu unserem Kontaktformular

7 Erfolgsfaktoren lokaler Online-Marktplätze: das Beispiel Locamo

Verknüpfte Initiativen:Locamo (bundesweit)
Verknüpfte Unternehmen/Organisationen:Locamo GmbH & Co. KG

In seinem Vortrag auf dem Bürgermeisterkongress am 12. und 13. Oktober 2021 in Weimar sprach Markus Kapler, Geschäftsführer der Locamo GmbH & Co. KG, über 7 Faktoren, die einen lokalen Online-Marktplatz zum Erfolgsprojekt machen. Das daraufhin stattfindende Webinar machte die Inhalte des Vortrags auch einem breiteren Kreis an Interessenten zugänglich. Im Folgenden handelt es sich um den Kern des Webinars – die 7 Erfolgsfaktoren.

Darstellung der Stadtvielfalt

Wichtige Faktoren für die Präsentation des breiten städtischen Angebots sind digitale Flächen für Dienstleister, Handwerker, Gastronomen und Vereine sowie die Darstellung lokal relevanter Informationen und verfügbarer Serviceleistungen.

Wenn die Menschen von einer Stadt erwarten, dass sie neben der Einkaufsmöglichkeit auch Anreize zum Verweilen, Genießen und Erleben bietet, dann muss der lokale Online-Marktplatz diese Erwartungshaltung auch online erfüllen. So fördert ein Online-Marktplatz die Lebendigkeit und Frequenz in der Innenstadt.

Lokale Identität stärken

Der lokale Online-Marktplatz tritt im Erscheinungsbild der Stadt auf und schafft Wiedererkennungswert. Von der Farbgebung über das Logo, den Marktplatznamen, die Bildauswahl bis hin zu den Inhalten wird der Marktplatz an die Corporate Identity (CI) der Stadt angepasst und spiegelt somit die lokale Identität wider.

Professionelle Onlineshop-Funktion

Ein echter Mehrwert entsteht erst bei einer Kombination von  Offline- und Online-Shopping. Konsumenten leben heute in beiden Welten und ein erfolgreicher lokaler Online-Marktplatz ist das Bindeglied.

Professionelles B2C (Business-to-Consumer) Online-Marketing stellt einen wesentlichen Treiber des Erfolgs aller Beteiligten dar.

Hohe Reichweite

Die Locamo GmbH & Co. KG bietet ihren Kund*innen die Möglichkeit, den lokalen Fokus des Online-Marktplatzes auf deutschlandweite Sichtbarkeit zu erweitern. Dies ist durch eine Vernetzung mit Locamo.de möglich. Dadurch können die Unternehmen auf dem lokalen Marktplatz zusätzliche überregionale Kund*innen gewinnen, wodurch wieder rum der Erfolg des gesamten lokalen Online-Marktplatzes steigt. Ebenso werden lokale Veranstaltungen und weitere interessante Informationen überregional sichtbar gemacht und verstärken somit den Reiz der Stadt für Besucher*innen.

Ausgereifte technische Lösung

Plattformen mit integrierter Shopping-Funktion stellen einen hohen technischen Anspruch dar, weshalb sie stets an neue technische Möglichkeiten angepasst werden sollten. Die Locamo GmbH & Co. KG entwickelt deshalb ihr System ständig weiter. Im Frühjahr 2022 wird es beispielsweise mit einer neuen Software-Basis ausgestattet.

Beratung & Unterstützung

Eine professionelle Begleitung in allen Phasen der Realisierung für die Stadt, Händler*innen und andere Akteure – auch nach GoLive – ist Voraussetzung für den Erfolg eines Online-Marktplatzes. Ein Einstieg muss auch für Händler ohne technisches Knowhow möglich sein. Die Inbetriebnahme des Online-Marktplatzes ist bei Locamo der Beginn einer kontinuierlichen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem gemeinsamen Ziel der Förderung der regionalen Wirtschaft sowie des Erfolgs der beteiligten Unternehmen.

Rechts- & Datensicherheit

Ein sicherer Datenschutz sowie die Einhaltung der DSGVO sind enorm wichtige Merkmale eines lokalen Online-Marktplatzes. Locamo bietet diese Sicherheiten und liefert ferner auch rechtssichere AGBs, eine Widerruferklärung sowie ein Impressum.

Weitere Informationen und Kontakt

Um das komplexe Vorhaben vom eigenen lokalen Online-Marktplatz zum Erfolg zu führen, bedarf es der Wahl des richtigen Partners, der flexibel auf die Bedürfnisse eingehen kann. 

Wir bedanken uns bei der Locamo GmbH & Co. KG für den spannenden Gastbeitrag und vermitteln gerne den Kontakt zu einem Ansprechpartner. 

Einblicke in die Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce

Angesichts des kontinuierlichen Wachstums im Bereich des Online-Shoppings wandeln sich auch die Berufsfelder. Mit der dreijährigen Ausbildung als „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ wird dieser Entwicklung Rechnung getragen. Der anerkannte Ausbildungsberuf wurde zum 1. August 2018 eingeführt und bildet die Fachkräfte für Online-Handel von morgen aus. Die Ausbildungsinhalte sind sehr vielseitig und reichen u. a. vom Aufbau, der Pflege und Analyse von Online-Shops über die Bearbeitung von Kundenanliegen bis hin zur Entwicklung von zielgruppenspezifischen Marketing-Maßnahmen.

Wir haben mit Sophie Wappel, Auszubildende im 2. Lehrjahr der Elektrogroßhandel Ernst Granzow GmbH & Co. KG in Leonberg bei Stuttgart gesprochen. Im Interview verrät sie uns, warum sie sich für diese Ausbildung entschieden hat, was ihr daran gefällt und wie sie zur Botschafterin der IHK für den Ausbildungsberuf geworden ist.

cima.digital: Wie bist du auf die Ausbildung als Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce aufmerksam geworden?

Sophie Wappel: Für mich stand in der Schule schon länger fest, dass ich eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich absolvieren möchte. Ich hatte mich bereits umgesehen nach Stellen als Bürokauffrau oder Sozialkauffrau und auch schon die ersten Bewerbungen verschickt. Letztlich war es mein Vater, der mich auf die Ausbildung im E-Commerce aufmerksam gemacht hat. Ich habe mich dann weiter mit der Ausbildung beschäftigt und fand sie so spannend, dass ich mich gleich auf offene Stellen beworben habe. Nachdem mein Vater im IT-Bereich arbeitet und meine Schwester Influencerin ist, konnte ich mir auch schon mehr darunter vorstellen, was man als Kauffrau im E-Commerce macht. Die Ausbildung war damals aber noch relativ neu, sodass es nur wenige Stellen gab. Bei mir im Unternehmen gibt es zum Beispiel seit 2019 jedes Jahr nur einen Azubi im E-Commerce, während es jährlich vier neue Auszubildende im Bereich Groß- und Außenhandel gibt.

cima.digital: Wie hat man sich die Ausbildung als Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce vorzustellen?

Sophie Wappel: Bei mir im Unternehmen durchlaufen die Azubis im Laufe der dreijährigen Ausbildung verschiedene Abteilungen. Unser Unternehmen vertreibt Elektroteile im B2B-Bereich vorrangig in Baden-Württemberg und einzelne Fachbereiche sogar auch weltweit. Am Anfang wurde ich daher vier Monate im Lager eingesetzt. Obwohl die Arbeit als Kommissionierer sehr anstrengend war, konnte ich dadurch unsere Produkte und Prozesse besser kennen lernen. Das hat mir auch später sehr dabei geholfen, Produktbeschreibungen anzufertigen, da ich die Produkte schon mal in der Hand hatte. Bei meiner nächsten Station im Bereich „Digitale Energien“ durfte ich eigene Blogbeiträge für unsere Magazine schreiben und stand im direkten Kontakt mit unseren Kunden. Auch hier kam mir die Erfahrung aus der Logistik zugute. Aktuell werde ich in unserer Marketing-Abteilung eingesetzt und unterstütze bei der Webseite und Social Media.

cima.digital: Was gefällt dir an deiner Ausbildung und würdest du dich wieder dafür entscheiden?

Sophie Wappel: Ich würde mich auf jeden Fall wieder dafür entscheiden! Ich darf bereits jetzt in der Ausbildung viele Aufgaben eigenständig erledigen. Bei Blogbeiträgen kann ich meine eigenen Ideen einbringen, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. Das macht mir viel Spaß! Wir Azubis haben auch eigene Projekte und dürfen beispielsweise auch regelmäßig Beiträge für den Instagram-Kanal planen und veröffentlichen.

cima.digital: Neben der praktischen Ausbildung im Betrieb, bist du ja auch regelmäßig in der Berufsschule. Kannst du dazu mehr erzählen?

Sophie Wappel: Ja. Meine Berufsschule ist in Stuttgart. Damit habe ich ziemlich Glück, da es derzeit bei uns im Umkreis nur noch in Heilbronn und Pforzheim Ausbildungsklassen für die Ausbildung im E-Commerce gibt. Einige meiner Klassenkameraden haben daher eine weite Anfahrt zur Berufsschule. Ich habe immer abwechselnd einmal oder zweimal pro Woche Unterricht. In meiner Klasse sind ca. 20-25 Auszubildende, wobei wir nur 5 Mädchen sind. Im Vergleich zur Ausbildung zur Bürokauffrau haben wir mehr Fächer in Richtung Marketing und E-Commerce. Außerdem lernen wir Fotos professionell zu bearbeiten und Webseiten zu erstellen. Im 3. Lehrjahr haben wir auch ein großes Gruppenprojekt, bei dem wir eine eigene Webseite erstellen werden.

cima.digital: Bisher hast du ja sehr geschwärmt von deiner Ausbildung. Gibt es auch etwas, das dir nicht so gefällt?

Sophie Wappel: Ich fand die Arbeit im Lager mit dem Schichtdienst sehr anstrengend. Das möchte ich nicht unbedingt noch einmal machen. Im Nachhinein war es zwar eine lehrreiche Erfahrung, aber gerade im Herbst – unserer Hauptsaison – ist es wirklich hart bis 22:30 Uhr beim Kommissionieren zu helfen. Aber die Arbeit im Büro macht mir sehr viel Spaß.

cima.digital: Was sollte man denn mitbringen, wann man sich für eine Ausbildung im E-Commerce entscheidet?

Sophie Wappel: Man sollte sich auf jeden Fall vorstellen können, den ganzen Tag im Büro zu arbeiten. Wir arbeiten viel mit Word und Excel, da hilft auch ein gewisses Grundverständnis. Außerdem sollte man Interesse an Webseiten und digitalen Themen haben. Im Bereich Social Media werden wir öfter auch gestalterisch tätig. Viele denken ja, dass die Ausbildung sehr IT-lastig ist. Das ist vermutlich auch der Grund, warum bisher nur sehr wenige Mädchen die Ausbildung zur Kauffrau im E-Commerce machen. Das ist aber in Wahrheit gar nicht so.

Zur Botschafterrolle für die IHK

cima.digital: Du bist mittlerweile auch Botschafterin der IHK für die Ausbildung als Kaufmann/ Kauffrau im E-Commerce. Wie ist es dazu gekommen?

Sophie Wappel: Da die Ausbildung ziemlich neu ist, ist sie noch relativ unbekannt. Daher hat die IHK nach einem Botschafter für die Ausbildung gesucht, um sie bekannter zu machen. Meine Personalabteilung ist dann auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich Lust hätte, Botschafterin zu werden.

cima.digital: Was macht man als Botschafterin der IHK?

Sophie Wappel: Ich stelle Schüler*innen meine Ausbildung bei Veranstaltungen vor und beantworte Fragen. Ich finde das ist eine tolle Sache, weil man ungefähr im gleichen Alter ist und die Schüler sich dadurch eher trauen, Fragen zu stellen. Vor Kurzem war ich auch zu einem Elterncafé eingeladen, bei dem sich Mütter und Väter über die Ausbildung informieren konnten. Vielen der Eltern war die Ausbildung ebenfalls neu und sie konnten sich nichts darunter vorstellen. Ich als Botschafterin finde es schön, Schüler*innen bei der Suche nach ihrer Ausbildung unterstützen zu können.

cima.digital: Das freut uns sehr, dass du so viel Freude an deiner Ausbildung hast und als Botschafterin auch anderen Schülern bei der Suche nach einer passenden Ausbildung hilfst. Vielen Dank für das spannende Interview!


Die cima.digital wünscht Sophie Wappel auch weiterhin alles Gute für Ihre Ausbildung. Bei Rückfragen zur Ausbildung vermitteln wir gerne und stellen Kontakt her.


Digitalisierung zum Anfassen: Der „Smart Store“ in Esslingen

Vom 04. bis 08. Oktober 2021 konnten Interessierte „einen Blick in die Zukunft des Einkaufens“ werfen. Möglich war dies im Rahmen des sogenannten Smart Stores in Esslingen. An insgesamt zwei Locations WORK-IN-SHOP (Küferstraße 8) und Makers Inn (Küferstraße 46) wurde ein umfangreiches Vortrags- und Workshop-Programm, Infoinseln sowie verschiedenste Vorführungen geboten. 

Digitalisierungsprojekt „Online Handel(n) Esslingen/Plochingen“

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Digitalisierungsprojekt „Online Handel(n) Esslingen/Plochingen“

Der Smart Store ist dabei Teil des interkommunalen Digitalisierungsprojekts „Online Handel(n) Esslingen/Plochingen“, welches auf zwei Jahre (2020-2021) ausgelegt ist. Als Pilotprojekt durch den Verband Region Stuttgart gefördert, umfasst es neben der temporären Event- und Ausstellungsfläche „Smart Store“ auch einen Online-Präsenz-Check sowie verschiedene Beteiligungsformate wie Workshops, Seminare, Webinare und Digitalisierungs-Stammtische. Darüber hinaus werden Beratungs- und Coachingangebote zur Verfügung gestellt und das Online-Schaufenster Plochingen als digitale Plattform etabliert. Die Konzeption und das Projektmanagement liegt dabei bei der Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH, begleitet wird das Projekt durch die cima.digital der CIMA Beratung + Management GmbH. Ziel des Projektes ist es, insbesondere Händler und Dienstleister vor Ort bei ihrer eigenen Digitalstrategie zu unterstützen und so ihre digitale Sichtbarkeit zu erhöhen.

Der „Smart Store“

Dimitri Ravin von urban digital und Eva Gancarz, cima.digital
Dimitri Ravin (urban digital) und Eva Gancarz (cima.digital)

Der „Smart Store“ richtete sich insbesondere an Gewerbetreibende, Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit. Jeder war dazu eingeladen sich kreativ, konstruktiv sowie kritisch mit der Digitalisierung des Einkaufens auseinanderzusetzen.

Gäste waren unter anderem Dimitri Ravin (urban digital), Andreas Haderlein (LOCAL COMMERCE ALLIANCE), der den Esslinger Smart Store mit organisiert und die Moderation der Schulklassen hauptverantwortlich übernommen hat, Holger Seidenschwarz (ibi research an der Universität Regensburg GmbH c/o Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel) und Eva Gancarz (cima.digital).

Weitere Aussteller und Referenten:

  • mapAds GmbH: Das Unternehmen ist auf automatisiertes, standortbezogenes Produkt-Marketing über YouTube, Google, Facebook und Instagram spezialisiert.
  • skinmade GmbH: Das deutsche Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz um personalisierte Gesichtspflege herzustellen. Im „Smart Store“ wurde das neue Messgerät „Smart Mirror by skinmade“ vorgestellt.
  • Befeni GmbH: Befeni bietet seinen Kunden maßgeschneiderte Hemden. Dabei setzt das Mode-Start-up auf die Kooperation mit stationären Geschäften.
  • Die Esslinger Zeitung stellte ihren Online-Shop „gut-es.de“ vor und beweist mit ihrem Slogan „Gutes aus der Region“ die Verträglichkeit von Lokalem und dem Internet.
  • Shopify Inernational Limited: Der Anbieter shopify bietet mit seinem neuen Kassensystem „Shopify POS“ eine neue Lösung, um den Online- mit dem stationären Handel besser zu verknüpfen.
  • Der Verlag NUSSBAUM Medien stellte seinen Online-Marktplatz „kaufinBW“ vor. Auf diesem präsentieren sich Gewerbetreibende aus ganz Baden-Württemberg.
  • svote UG: Das Start-up stellte sein Produkt „visito“, eine DSGVO-konforme Gästeerfassung, vor.
  • In Kooperation mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen konnten Gewerbetreibende neue Lösungen für den Point of Sale entdecken und diese ausprobieren.
  • Die Avatimes GmbH demonstrierte mit ihrer „Live Video Shopping App (LVS-App)“, wie stationäre Einzelhändler live aus ihrem Geschäft ihre Produkte an Kunden ins Internet verkaufen können.
  • Das Stadtmarketing Plochingen e.V. gab Einblicke in das Online-Schaufenster „mein-Plochingen.de“, welches neben dem „Smart Store“ ebenfalls ein Baustein des Digitalisierungsprojekts „Online Handel(n) Esslingen/Plochingen“ war.
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