Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel 2021 gekürt

Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert​ hat fünf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus den Branchen Handwerk, Lebensmittel, Möbel, Spielwaren und Sport als „Digitale Champions im bayerischen Einzelhandel 2021“ ausgezeichnet.​ Nachdem die Publikation, die die erfolgreichen Digitalisierungsprojekte der fünf Mittelständler beschreibt, bereits Anfang des Jahres erschienen ist, erhielten die Gewinnerinnen und Gewinner nun ihre offiziellen Siegesurkunden.

Die Digitalen Champions wurden im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie von ibi research an der Universität Regensburg und dem IT-Dienstleister DATEV eG zusammen mit einer Jury ermittelt. Aus einer Vielzahl an Bewerbungen und Vorschlägen wählte eine Fachjury aus Handelsexpert:innen des Bayerischen Handelsverbandes, der Industrie- und Handelskammern, des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der Steuerberaterkammern München und Nürnberg, der Projektpartner sowie Vertreter:innen der Digitalen Champions im bayerischen Einzelhandel 2020 fünf bayerische Einzelhandelsunternehmen aus, die in vorbildlicher Weise Digitalisierungsvorhaben umsetzen bzw. bereits umgesetzt haben und damit anderen Handelsunternehmen Orientierungshilfe geben.

Am 7. März 2022 sind nun die Preisträger im Bayerischen Wirtschaftsministerium zur feierlichen Urkundenübergabe zusammengekommen. Das fünfte Gewinnerunternehmen, Frischemarkt Popp, konnte leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert würdigte die innovativen digitalen Lösungsansätze der Betriebe und hob ihren Vorbildcharakter heraus.

Das sind die fünf Gewinner:

Frischemarkt Popp e.K., Würzburg (Unterfranken)
Der Lebensmittelhändler hat als einer der ersten Supermärkte in Deutschland die Scan&Go-Lösung „Supersmart“ eingeführt. Diese ermöglicht das Einkaufen via Scanner-App und KI-gestützter Waage für den Einkaufswagen zur Gewichtsvalidierung. Wartezeiten an der Kasse entfallen damit.

Sport Lang, Vohenstrauß (Oberpfalz)
Kund:innen können u.a. mit einem Telepräsenzroboter namens „Thorsten“ durch das Sporthaus fahren und sich online live beraten lassen, ohne vor Ort sein zu müssen. Die gewünschten Artikel werden anschließend zur Kundschaft nach Hause geliefert.

Spielkiste, Lam (Oberpfalz)
Der Holzspielwarenhändler setzt bereits seit vielen Jahren auf den Vertrieb über Marktplätze und den eigenen Online-Shop. Mit Hilfe der eigens entwickelten Versandsoftware „SimpleSell“ konnte das Familienunternehmen zudem seinen Versandprozess optimieren und spart dadurch Zeit und Ressourcen.

Möbel Fischer GmbH, Herzogenaurach (Mittelfranken)
Der Einzelhändler für Küchen, Möbel und Accessoires hat innerhalb von fünf Jahren zahlreiche Digitalisierungsprojekte – angefangen bei digitalen Beratungsangeboten, über Online-Marketing-Maßnahmen bis zu durchgängig digitalen kaufmännischen Prozessen – umgesetzt und ist damit ein Paradebeispiel für ein gelungenes Change Management. 

ELEO GmbH, Großheirath/Buchenrod (Oberfranken)
Der Schmiedekunst-Händler hat einen einzigartigen Ansatz entwickelt, um eine digitale Verbindung von Maßfertigung und Individualisierung nach Kundenwunsch herzustellen: einen Zaunkonfigurator mit über 4.000 3D-Modellen auf ReactJS Basis, der in den Online-Shop integriert ist.

Ausführliche Informationen, die komplette Publikation sowie Podcasts mit den Preisträgern über ihre Digitalisierungsprojekte finden Interessierte unter https://digitale-champions.bayern.

Einblicke in den Einzelhandel von morgen: Die Schuh Keller KG aus Ludwigshafen

Der Umsatz des Online-Handels wächst stetig. Im Jahr 2020 stieg er in Deutschland um 23 Prozent auf 73 Milliarden Euro. Das Wachstum wurde durch die Corona-Pandemie erheblich beschleunigt. „Fashion & Accessoires“ stellt dabei die führende Branche mit einem Umsatz von 39,8 Milliarden Euro knapp vor „CE/Elektro“ (38,9 Milliarden Euro) dar (Handelsverband Deutschland – HDE e.V. 2021). Die beschriebenen Entwicklungen führen dazu, dass lokale, meist inhabergeführte Einzelhändler*innen um ihre Existenz gebracht werden. Als Lösung wird häufig der Einstieg in den E-Commerce oder die Steigerung der digitalen Sichtbarkeit genannt.

Die Schuh Keller KG in Ludwigshafen am Rhein zeigt, wie man stationären Handel mit Online-Handel kombinieren kann. Das Unternehmen gibt es bereits seit 1936. Der historisch gewachsene Familienbetrieb ist ein klassisches Schuhgeschäft für die Bereiche Damenschuhe, Herrenschuhe, Comfort-Schuhe sowie für Wanderschuhe und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vorbildlich den neuen Herausforderungen gestellt.

Wir haben mit Herrn Markus Keller-Leist, Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Schuh Keller KG, gesprochen. Im Interview verrät er uns, was sein Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierung unternimmt, was seine Erfolgsfaktoren sind und was er sich für sich, sein Unternehmen und andere Einzelhändler*innen in Zeiten globaler Krisen für die Zukunft wünscht.

Allgemeines zur Schuh Keller KG

Verena Birkmann: Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Ihrem Unternehmen momentan beschäftigt? Und wie verteilen sich diese auf den Online-Bereich und das stationäre Geschäft?

Herr Keller-Leist: Wir haben momentan 15 Mitarbeiter*innen. Wir trennen dabei aber nicht strikt in online und offline, sondern das ist eher so ein Hin- und Herspringen. Man kann sagen, dass der Großteil nach wie vor für das stationäre Geschäft tätig ist. Vier Mitarbeiter*innen kümmern sich überwiegend aber um den Versand.

Verena Birkmann: Bilden Sie denn auch selbst im Betrieb aus? Und wenn ja, welche Berufe kann man bei Ihnen erlernen?

Herr Keller-Leist: Wir sind natürlich vom Fachkräftemangel betroffen. Aber ja, wir bilden auch aus. Und zwar bieten wir Ausbildungen zum/zur Verkäufer*in und zum/zur Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel an. Seit drei Jahren bieten wir auch die Ausbildung zum/zur Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce an.

Verena Birkmann: Das heißt, Sie waren einer der Ersten, die die Ausbildung zum/zur Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce angeboten hat, richtig? Die Ausbildung gibt es erst seit 2018.   

Herr Keller-Leist: Genau, richtig. Ich habe gerade erst das Zwischenzeugnis der Auszubildenden unterschrieben. Sie macht jetzt im Sommer ihre Abschlussprüfung.

Die Offenheit gegenüber Neuem

Verena Birkmann: Im Rahmen unserer Recherche sind wir darauf gestoßen, dass Sie als einziges Einzelhandelsgeschäft beim Pilotprojekt in Ludwigshafen im Jahr 1995 teilgenommen haben. Können Sie uns dazu etwas erzählen?

Herr Keller-Leist: Mit der Schließung der Kaufhof-Filiale hier in direkter Nähe und dem Bau des Rathaus-Centers wurden wir in kürzester Zeit von einer 1A zu einer 2B-Lage. Deswegen waren wir schon früh dazu gezwungen, etwas zu tun. Das heißt, wir haben uns spezialisiert und uns auf den Service fokussiert, aber wir wollten weiterhin hochwertige Ware verkaufen. Und das haben wir, bis heute, durchgezogen. Bereits im Jahr 1990 haben wir uns für einen Versandkatalog für den Bereich der Berg- und Wanderschuhe entschieden, sodass wir damals schon mit dem Versand von Ware starteten. Und dann kam das Pilotprojekt der Stadt Ludwigshafen, bei dem man sich für einen minimalen Betrag im Jahr auf der Startseite von Ludwigshafen.de – das wäre heute undenkbar – präsentieren konnte. Und damals haben die Kolleg*innen gesagt „Ja Internet, wir schauen uns das erstmal aus der Ferne an, was da überhaupt passiert.“ Und wir fanden die Idee gut, haben uns daraufhin einen Computer angeschafft, um uns ebenfalls anzusehen, was da überhaupt passiert. Naja, da ist auch noch nicht viel passiert. Es kam vielleicht jedes halbe Jahr eine E-Mail, aber wir hatten die Technik, wir haben uns damit befasst und es ging die nächsten ein, zwei Jahre dann auch immer weiter. Aus der kleinen Visitenkarte auf der Startseite wurde dann eine eigene Homepage. Diese hatte lediglich drei Seiten mit einem Bild vom Haus, unserem Sortiment und den Öffnungszeiten – das war’s! Und dann haben wir uns nach einem Online-Shop erkundigt, welcher dann 1998 ins Netz gestellt wurde und sagenhafte 200 Artikel abbildete. Von da an haben wir uns langsam in die Bereiche online und digitales Einkaufen vorgetastet.

Verena Birkmann: Würden Sie behaupten, dass diese Entwicklung noch einmal durch die Eröffnung der Rhein-Galerie verstärkt wurde?

Herr Keller-Leist: Nein. Ludwigshafen ist eine Mittelstadt mit den typischen Problemen dieser Städte. Das ist kein Ludwigshafener Problem. Dieses Problem haben Städte in dieser Größenordnung im Allgemeinen und die Rhein-Galerie hat dafür gesorgt, dass man eine gewisse Frequenz an Kunden in der Fußgängerzone hat. Ich bin da gar nicht so negativ eingestellt, was die Rhein-Galerie angeht. Ich glaube, es wäre sogar schwieriger heute, wenn sie nicht da wäre. Dass die Geschäfte aus der Innenstadt verschwunden sind, hat viele andere Gründe. Zum Beispiel die Hauseigentümer und Hausverwaltungen, die immens hohe Mieten verlangt haben. Diese müssen jetzt erst mal wieder so langsam mit den Füßen auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und lernen, dass der Einzelhandel nicht alles bezahlen kann.

Verena Birkmann: In Ihrem stationären Geschäft legen Sie einen großen Wert auf gute Beratung. Diese kombinieren Sie auch mit neueren Techniken. Ich habe gelesen, Sie haben vor Ort ein digitales Gerät zur Fußvermessung?

Herr Keller-Leist: Ich glaube, dass der stationäre Einzelhandel nach wie vor seine absolute Berechtigung hat. Die Kunden kommen gezielt. Dieses Bummeln und „wir gehen mal einkaufen und kaufen die Wintergarderobe“ – das ist ziemlich vorbei. Die Leute gehen gezielt wo hin, erwarten dann aber auch eine entsprechende Beratung. Also wenn der Verkäufer nur einen Bruchteil von dem weiß, was der Kunde weiß, dann hat er natürlich ein Problem. Und wir haben gemerkt, dass auch die älteren Kunden ganz affin für neue Techniken sind, wie zum Beispiel der digitalen Fußvermessung. Aber trotzdem möchten Sie eben das Klassische nicht missen. Unser Laden ist mehr wie ein Wohnzimmer: gemütlich hinsetzen, eine Tasse Kaffee trinken und ankommen. Aber eben genau das kombiniert mit moderner Technik. Wir bieten auch schon seit vier Jahren freies WLAN im Laden an. Ich war kein Fan davon, so etwas zu blocken. Es gab mal eine Zeit, wo Geschäfte Internet, Mobilfunk und so weiter im Laden geblockt haben, weil sie gesagt haben, der Kunde soll nicht vergleichen können. Aber wenn er vergleichen will, dann macht er das ja trotzdem, dann geht er vor die Tür.

Verena Birkmann: Das heißt aber auch, die Kunden haben dann vor Ort die Möglichkeit gezielt ins Internet zu gehen, um dort vergleichen zu können?

Herr Keller-Leist: Sie hätten die Möglichkeit. Wir merken, dass auch die Kunden aufgrund der Beratungsleistung bereit sind, den vollen Preis zu bezahlen. Bei uns kommen die Kunden gezielt und wenn sie das billigste Produkt haben wollen würden, dann würden sie wahrscheinlich eher auf den großen Plattformen suchen, weil sie es dort billiger bekommen würden. Aber es hat ja einen Grund, warum sie zu uns kommen. Wir beraten, wir schauen, dass der Schuh die optimale Passform hat und wir stehen auch nach dem Kauf für die Kunden ein. Und deswegen kommen sie und sind auch bereit für diese Serviceleistung zu bezahlen.

Der Online-Shop als Lösung?

Verena Birkmann: Sie haben ja bereits angesprochen, dass Sie Ihren eigenen Online-Shop schon seit Ende der 1990er Jahre führen. Ich habe gelesen, dass Sie zwischenzeitlich sogar vier Online-Shops hatten. Ist das noch aktuell?

Herr Keller-Leist: Nein, das war aus der Geschichte heraus. Also wir haben immer mal wieder experimentiert und wir waren relativ früh mit unserem eigenen Online-Shop online. Aber wir waren kein Online-Händler. Wir waren stationärer Händler mit einem angeschlossenen Online-Shop und so hat es funktioniert. Und solange die Wettbewerber nicht so stark waren und teilweise noch gar nicht da, hat das alles gut funktioniert – auch die Umsätze. Irgendwann haben wir dann gesagt, dass wir Spezial-Shops aufbauen möchten. Das waren dann die Bereiche Berg- und Wanderschuhe, Jagd-Schuhe und Einsatz-Schuhe. Letzteres Feld ist weggebrochen, weil die Bundeswehr sich mittlerweile bei den Herstellern direkt versorgt und die beiden anderen waren schwierig. Wir mussten einfach lernen, dass wenn wir einen kleinen Online-Shop mit nur 300-400 Artikeln haben, dass wir unheimlich viel Geld in die Hand nehmen müssen, um gefunden zu werden. Bis 2017 hatten wir sinkende Umsätze im Online-Bereich zu verzeichnen. Wir hatten niemanden, der uns richtig beraten hat. Natürlich haben wir etwas Werbung gemacht, aber es war nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das lag aber auch daran, dass wir stationärer Händler waren. Das andere lief so nebenbei und die reinen Online-Profis haben uns den Rang abgelaufen. 2017 kam dann die Überlegung: Was machen wir? Gehen wir auch auf die Plattformen und verkaufen auf Amazon, Schuhe.de und solche Geschichten. Da gibt es einige. Aber wir wollten keine Daten aus der Hand geben. Und dann kam eben der Kontakt zu einem Freund von mir, der sagte: „Ich mach mich in dem Bereich selbstständig und mache eine eigene Plattform.“ Daraus entstand dann die Shopfair GmbH und wir waren Pilothändler. Wir haben das ausprobiert und im ersten halben Jahr gemerkt, dass es für uns funktioniert. Und durch die Kontakte mit den Leuten, die reine Onliner waren, konnten wir dann auch unseren eigenen Online-Shop optimieren. Das heißt, wir haben die Sub-Shops abgeschafft, haben uns auf Schuh-keller.de konzentriert und haben gemerkt, dass die Umsätze nach oben gingen. Und so hätte das eigentlich weitergehen können, wenn der Gründer der Shopfair GmbH sich nicht wieder aus dem Bereich zurückgezogen hätte. Nach einer kurzen Überlegung habe ich dann beschlossen, dass wir diese kleine Firma, die Shopfair GmbH, selbst übernehmen. Und aus den 3-4 Händlern zu Beginn sind wir Stand heute über 60 Händler geworden. Wir versuchen diesen Händlern eine Serviceleistung und eine Alternative zu den großen Plattformen zu bieten. Aber eben auch bei Fragen zu Social Media und als Hilfestellung bei anderen Online-Themen. Denn wir hatten diese Hilfe nicht und man merkt eben, wenn man keinen Spezialisten für Online-Handel hat, dann wird es schwierig. Und das ist für mich auch der Punkt, den ich bei vielen Händlern jetzt sehe. Die sehen: „Okay, online funktioniert. Ich habe zwei Jahre der Pandemie hinter mir. Ich mache jetzt auch einen Online-Shop.“ Dann lassen sie sich bei irgendeiner Agentur, die vielleicht auf Schuhe oder Kleidung spezialisiert ist, einfach einen Online-Shop entwickeln und geben dafür ihr letztes vorhandenes Geld. Und dann hat der Händler einen großartigen Onlineshop. Dann geht es weiter: Anbindung, Texte, Bilder. Hier dann einfach etwas von den Herstellern zu kopieren und dann auf den eigenen Online-Shop zu übertragen, sprich Doppelt-Content, bringt einen nicht nach vorne. Dann hat der Händler für viel Geld einen Online-Shop, der irgendwo im Nirvana bei Google ist und nicht gefunden wird und verdient auch kein Geld damit.  Also man muss die Händler darauf hinweisen, dass da, wenn sie den Online-Weg gehen möchten, Folgekosten auf sie zukommen werden. Das ist wie eine weitere Filiale. Die kostet auch Geld und erfordert Werbung und Manpower.  

Verena Birkmann: Sie selbst arbeiten mit eigenen Produktbildern, richtig? Sind diese dann nur für den eigenen Gebrauch gedacht, oder stellen sie diese auch den anderen Händlern zur Verfügung?

Herr Keller-Leist: Zum Großteil sind die für uns selbst. Aber wir arbeiten auch mit mehreren Händlern zusammen. Wir shooten ihre Schuhe, laden die Bilder anschließend in die Cloud und dort können sie sich dann die entsprechenden Bilder runterladen.

Verena Birkmann: Das heißt aber, Sie sind neben dem Bereich mit Endkunden auch im Bereich B2B tätig?

Herr Keller-Leist: Genau. Der nächste Bereich ist eben, dass wir auch mit den Herstellern zusammenarbeiten. Mittlerweile ist es so, dass viele Hersteller selbst an Endkunden gehen. Ich persönlich glaube aber, dass der Hersteller eher Hersteller bleiben sollte, denn die Kunden erwarten eine entsprechende Service-Leistung. Nur ganz wenige große, internationale Hersteller wird das gelingen. Man merkt im Outdoor-Bereich, dass die Hersteller die erforderliche Beratung nicht gewährleisten können. Darauffolgend wird es Probleme mit den Kunden geben, da sie das falsche Produkt haben und, dass sie unzufrieden sind. Insofern sehe ich den Handel als sehr wichtig an. Trotzdem glaubt die Industrie aber auch Wege zu kennen, um Lagerüberhänge oder Saisonware entsprechend verkaufen zu können.  

Verena Birkmann: Liegen Ihnen denn aktuelle Zahlen zum Durchschnittswarenkorb-Wert Ihres Online-Shops vor?

Herr Keller-Leist: Dieser liegt bei uns jenseits der 100-Euro. Das liegt aber auch daran, dass wir viele hochwertige Schuhe verkaufen. Gerade im Wanderschuh-Bereich, da gibt es nichts unter 150 Euro. Wir bieten wenige Schuhe unter 100 Euro an. Aber da ist der Durchschnittswarenkorb-Wert ein ganz wichtiges Thema. Meiner Meinung nach ist es bei einem Warenkorb, der unter der 60-Euro-Grenze liegt, schwierig noch etwas zu erwirtschaften. Man muss davon noch die Mehrwertsteuer, das Porto, die Verpackung und die Zeit abziehen. Besser sind da 80 oder 100 Euro.

Verena Birkmann: Haben Sie denn auch aktuelle Zahlen zu den Retouren-Quoten? Ich habe gelesen, dass man bei Ihnen im Nachgang einer Bestellung eine E-Mail erhält, ob man das richtig bestellt hat, oder ob es die richtige Größe ist.

Herr Keller-Leist: Retouren sind ein ganz großes und wichtiges Thema. Wir versuchen stets unsere Online-Seiten zu optimieren, dass der Kunde dort bereits Informationen zur Größe erhält, aber auch die Möglichkeit hat, eine E-Mail zu schreiben oder das Service-Telefon zu benutzen. Wir möchten schon bei der Bestellung die richtige Größe für den Kunden generieren. Beim Eingang einer Bestellung, erhält der Kunde automatisch eine E-Mail: „Vielen Dank! Haben Sie an die richtige Größe gedacht?“ Diese ist auf die entsprechende Warengruppe angepasst und hat das Ziel, Fehlbestellungen zu vermeiden. Unsere Retouren-Quote liegt zwischen 28 und 30 Prozent.

Verena Birkmann: Wie viele Bestellungen erhalten Sie täglich oder wöchentlich in Ihrem Online-Shop?

Herr Keller-Leist: Das schwankt natürlich. Also in der Regel ist Montag unser stärkster Tag, weil das Wochenende dazwischen liegt. Mein Online-Team ist an Samstagen bis 14 oder 16 Uhr da. Danach gehen weitere Bestellungen ein, die aber dann bis Montag liegen bleiben. Deswegen haben wir montags häufig zwischen 80 und 100 Bestellungen.

Verena Birkmann: Das ist ganz schön ordentlich! Sehen Sie denn dann auch einen Zusammenhang zwischen Ihrem stationären Geschäft und dem Onlineshop? Also informieren sich die Kunden beispielsweise online über Ihre Produkte und kommen dann gezielt in den Laden, um Schuhe zu probieren?

Herr Keller-Leist: Ganz klar: ja! Interessanterweise erreichen wir online Kunden, die in der Nähe oder sogar in Ludwigshafen wohnen, die uns nicht kannten. Wir haben Kunden, die von weither kommen und dann einen Ausdruck von Schuhen aus unserem Online-Shop mitbringen, die sie gerne probieren möchten. Oder sie zeigen uns die Schuhe auf dem Handy. Also die Leute sind da mittlerweile unheimlich. Wenn sie sich so etwas Hochwertiges kaufen, dann informieren sie sich vorher. Ob der Händler jetzt einen Online-Shop hat oder nicht hat, das ist egal. Er braucht aber auf jeden Fall eine gute Webseite, die dem Kunden einen Mehrwert liefert. Also eine Webseite, die Informationen zu Parkplätzen und zur Anfahrt enthält oder vielleicht auch eine Terminvereinbarung anbietet. Diese Angebote nutzen die Kunden gerne – im Übrigen auch Ältere. Als wir, während der Pandemie, die Impf- und Testzertifikate überprüfen mussten, zückten 99,9 Prozent der Kunden von Jung bis Alt ein Smartphone. Als ich einmal selbst an der Türe stand, kam eine Kundin, die meinte, dass Sie zwar kein Smartphone besäße, dafür aber ein iPad, das sie mir dann zeigte. Weil man immer sagt: „Internet ist etwas für die Jüngeren.“ Ich kann aus eigener Erfahrung klar sagen: „Nein.“ Seit der Pandemie haben sich viele aufgerüstet, vielleicht kennen Sie es selbst aus dem Bekanntenkreis. Da zieht die kleine Enkelin für das Studium in die USA und die neue Technik erlaubt es, sich zu sehen und zu sprechen.

Verena Birkmann: Wie verteilt sich der Umsatz denn auf die beiden Kanäle? Also haben Sie das Gefühl, der stationäre Umsatz ist geringer geworden, seit Sie den Online-Shop haben? Oder ist der Gesamtumsatz gestiegen?

Herr Keller-Leist: Also wir konnten eine Steigerung bei beiden erreichen, weil es immer Leute gibt, die in den Laden kommen möchten. Ludwigshafen ist nicht die Stadt, durch die man durchbummelt.  Deswegen muss ich darauf achten, dass ich die Leute über den Online-Shop und die Werbung, auch über die Social-Media-Kanäle erreiche und hierher bewege. Und letztes Jahr war es das erste Mal, dass wir online mehr Umsatz als stationär gemacht haben.

Verena Birkmann: Würden Sie sagen, dass diese Entwicklung aufgrund der Corona-Krise eingetreten ist?

Herr Keller-Leist: Zum einen haben wir unheimlich viel gemacht. Wir haben den Online-Shop optimiert und beworben. Mittlerweile haben wir alle vier Wochen Meetings mit unseren Webmastern und unseren Social-Media-Beauftragten. Zum jetzigen Stand kann ich sagen, dass der Januar auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr angesiedelt ist. Und ich denke, dass wir online sicherlich nicht an Umsatz verlieren werden. Es bleibt zu hoffen, dass das stationäre Geschäft dieses Jahr nicht wieder geschlossen werden muss. Da muss man abwarten, wie das weiterläuft.

Verena Birkmann: Wenn Sie sich entscheiden müssten, was würden Sie wählen? Für immer online oder für immer offline?

Herr Keller-Leist: Das ist gar nicht so einfach. Ich muss ehrlich sagen, dass ich vom Herzen her stationärer Händler bin und die Pandemie war für uns wirtschaftlich nicht das Problem. Wir haben am Anfang geschaut, was man machen kann und haben Pläne aufgestellt. Als wir gesehen haben, dass online einiges hilft, waren wir entspannter. Das Schlimme für mich war die Tatsache, dass man einen großartigen Laden mit neuer Ware hat, der mittlerweile zum dritten Mal geputzt ist und man ihn nicht öffnen durfte. Also insofern, vom Herzen her und auch aufgrund des Kontakts mit meinen Kunden bin ich stationärer Einzelhändler. Aber ich sehe die Chancen des Online-Handels. Ich mag diese Schnelligkeit, auch die Art und Weise den Kunden zu beraten. Wir haben zwischenzeitlich zum Beispiel auch einen Video-Chat angeboten. Es hat schon seine Vorteile und so, wie wir es momentan aufgestellt haben, sehe ich da durchaus eine große Zukunft. Ich kann diese Auswahl stationär so nur gewähren, wenn ich einen zweiten Kanal, in dem Fall online, habe. Und deswegen ist es ein Ineinandergreifen beider Kanäle.

Verena Birkmann: Bei den Umsätzen im Online-Bereich dominiert wahrscheinlich Ihr Online-Shop vor der shopfair24.de-Plattform, richtig?

Herr Keller-Leist: Ja, ganz klar. Das andere ist ein Kanal und ein Hilfsmittel, um die Lager-Drehzahlen zu erhöhen. Wenn sich heutzutage ein Händler für den Online-Verkauf entscheidet, dann ist das nicht das Wunschlos-Glücklich-Paket, sondern er muss genauso mitdenken, wie wenn er stationär eine Filiale hätte. Das heißt, er muss sich entscheiden, ob er den Artikel online mitaufnimmt, oder ihn online lieber nicht verkauft. Wenn ich einen Artikel habe, der im Laden gut funktioniert, dann habe ich damit die größte Marge, weshalb ich ihn nicht online verkaufen werden. Vielleicht am Ende der Saison oder in der Mitte der Saison, wenn es etwas ruhiger wird. Aber ich muss mich mit meiner Ware beschäftigen. Und das ist durchaus viel Arbeit.

Online-Sichtbarkeit erhöhen: Die Social-Media-Kanäle

Entweder man ist da affin dafür oder man gibt es in gute Hände.

Herr Keller-Leist

Verena Birkmann: Ich habe gesehen, dass Sie auch einen eigenen Facebook und Instagram Kanal und zusätzlich auch noch einen YouTube-Kanal besitzen, auf dem Sie verschiedene Pflege-Tipps vorstellen. Betreiben Sie diese komplett selbst oder haben Sie da Agenturen beauftragt?

Herr Keller-Leist: Ich habe eine kleine Agentur, die auch über shopfair24.de mit eingebunden ist. Natürlich muss man immer auch die Kosten senken. Zum einen ist da Facebook und Instagram, was relativ überschaubar ist. Wir bewerben auch unseren Facebook-Account und das funktioniert wirklich gut. Ich kann den Leuten den Ratschlag geben: Entweder man ist da affin dafür oder man gibt es in gute Hände. Am Anfang habe ich die Facebook-Posts gemacht und hatte so 2, 3, 4 Likes aus dem Bekanntenkreis. Dann hatte ich keine Zeit und hab es einer Mitarbeiterin übergeben, die das ihrer Generation entsprechend viel lockerer angegangen ist und das hat deutlich mehr gebracht. Mittlerweile habe ich das an zwei meiner Verkäuferinnen in Kombination mit einer Agentur abgegeben. Und die machen das eben zusammen. Wir haben so eine Aktion „Look of the Day“, bei der wir Mitarbeiter*innen fotografieren, die ein großartiges Outfit tragen. Und das funktioniert gut. Unser YouTube-Kanal funktioniert absolut hervorragend. Das hätte ich so nicht erwartet. Wobei wir hier immer Kosten und Nutzen in Relation setzen. Also ich kann kein abendfüllendes Format anbieten, sondern wir versuchen die Videos möglichst in einem Durchgang zu drehen und machen mehrere Videos in einer Sitzung, um das entsprechende Material zu haben. Das wird dann anschließend überarbeitet und hochgeladen.

Zur Zukunft

Verena Birkmann: Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft Ihres Betriebes?

Herr Keller-Leist: Da gibt es so einen Satz: Handel ist Wandel. Der war bei Schuh Keller immer schon ein Treiber. Und ich würde mir wünschen, dass dieser Gedanke auch so erhalten bleibt. Vor der Pandemie zum Beispiel war es für uns undenkbar, im Home-Office zu arbeiten. Der Umgang mit Mitarbeitern wird sich ändern. Also früher war es der klassische Acht-Stunden-Tag und ein Tag frei. Mittlerweile kommen die jungen Frauen wieder zurück aus der Elternzeit. Ich habe auch Mitarbeiter, also Männer, die ihren Anspruch auf Elternzeit wahrnehmen. Dem muss ich gerecht werden und kann nicht einfach sagen: „Ich will das nicht. Früher war alles anders.“ Für uns sind die Mitarbeiter ein sehr wichtiger Faktor. Und wenn ich zufriedene Mitarbeiter habe, dann habe ich auch zufriedene Kunden, die beraten werden. Und da muss ich drauf eingehen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor in der Zukunft.

Verena Birkmann: Sie sind ja auch ein sehr familiärer Betrieb. Ihr eigener Vater arbeitet auch noch mit, oder? Haben Sie denn Nachkommen, die das Geschäft weiterführen möchten? Oder haben Sie schon Pläne für die Zukunft, wer das Geschäft mal übernehmen wird?

Herr Keller-Leist: Genau, mein Senior ist 92 und ist immer noch mit dabei. Ich werde dieses Jahr 50. Bisher habe ich mich nicht mit dem Rücktritt oder der Rente beschäftigt.

Verena Birkmann: Da ist ja noch genug Zeit.

Herr Keller-Leist: Das ist so, weil ich auch das mache, auf was ich Lust habe. Ich selbst habe einen Sohn und ein Patenkind. Die beiden sind auch immer mal wieder im Laden mit dabei. Ich selbst halte aber nichts davon die Leute zu zwingen. Das Schöne ist, dass die beiden bei uns in die Firma kommen und sich frei bewegen können, wenn sie da Lust draufhaben. Und ich glaube, dass man so ein erfolgreiches Unternehmen führen kann. Meine Eltern haben mich auch nie zu etwas gezwungen. Ich sage immer, ich mache das, was ich kann und worauf ich Lust habe. Und so muss es funktionieren. Aber nichtsdestotrotz haben wir unser Unternehmen so aufgestellt, dass wenn aktuell mir oder meinem Senior etwas passieren würde, es trotzdem weitergehen würde. Das ist aber auch den Banken gegenüber ein sehr wichtiger Punkt. Ich kann meinen Händler-Kollegen nur raten, sich frühzeitig um die entsprechenden Verträge und Vereinbarungen zu kümmern. Ich bin ehrenamtlich Handelsrichter und erlebe es mehrmals im Jahr, dass es zu Situationen kommt, die ursprünglich nicht gewünscht waren, die dann aber, weil sie eben nicht geregelt wurden, zur bedrohlichen Situation für das Unternehmen wurden.

Verena Birkmann: Ja, da sollte man sich frühzeitig drum kümmern. Was würden Sie denn anderen Einzelhändler*innen für die Zukunft raten oder ihnen mit auf den Weg geben?

Herr Keller-Leist: Zum einen, individuell zu sein. Ich glaube, wenn Sie heute Einzelhändler sind und eine gute Auswahl eine gute Beratung haben, dann brauchen sie keine Angst vor der Zukunft zu haben. Online ist großartig. Aber es wird immer Leute geben, die in den Laden kommen und die Beratung möchten. Und das sind auch viele junge Leute. Wir haben bei uns im Laden viele junge Leute, die zum Beispiel nach dem Abitur durch Deutschland oder durch Europa wandern möchten. Und die wollen sich beraten lassen. Für die ist das großartig. Die erleben das mal aus einer neuen Perspektive und sind vor allen Dingen auch unheimlich interessiert an den Produkten. Auch wenn ich als Händler nicht in der 1A-Lage bin, habe ich die Möglichkeit, dass meine Kunden zu mir kommen. Man sollte, meiner Meinung nach, aber auch das Alte mit dem Neuen verbinden. Eine Homepage, moderne Zahlungsmethoden, ein moderner Laden. Solche Geschichten gehören, meiner Meinung nach, absolut dazu.

Verena Birkmann: Ich bedanke mich ganz herzlich auch im Rahmen meiner Kolleginnen und Kollegen!

Herr Keller-Leist: Ich bedanke mich bei Ihnen. Alles Gute! Dankeschön!

Die cima.digital bedankt sich bei Herrn Keller-Leist für die spannenden Einblicke und wünscht Ihm und seinen Unternehmen, der Schuh Keller KG, weiterhin alles Gute. Bei Rückfragen zum Thema vermitteln wir gerne den Kontakt. 

„Social Commerce“ – die neue Art des E-Commerce?

Lange Zeit dominierten große Player wie Amazon, Ebay oder Otto den Handel im Internet. Der klassische E-Commerce, der insbesondere durch den Verkauf von Waren und Produkten über Online-Shops und Plattformen geprägt war, verliert zunehmend an Bedeutung. Als Ergänzung wird vermehrt der Begriff des „Social Commerce“ in die Diskussion gebracht. Doch was versteht man unter diesem Begriff und welche Vorteile können stationäre Händler*innen daraus ziehen? 

Social Commerce – was versteht man darunter?

Seinen Ursprung findet der Begriff im Jahr 2005, als Yahoo noch eine der relevanten Suchmaschinen im Netz war. Anders als Google, präsentierte sich die Webseite mit einer Vielzahl an Inhalten. Darunter auch die sogenannte Shoposphere Pick List. Diese präsentierte Artikel, die sich in verschiedenen Online-Shops zum damaligen Zeitpunkt besonders gut verkauften, wodurch die Aufmerksamkeit der User gezielt darauf gelenkt wurde (Shopify International Limited 2022). – Der Social Commerce war geboren! 

Social Commerce (© ROQQIO Redaktion)
Social Commerce (© ROQQIO Redaktion)

Doch was versteht man jetzt genau darunter?

Social Commerce, häufig auch als „Social Shopping“ bekannt, ist eine spezifische Art von E-Commerce. Bei dieser stehen die Kommunikation der Kunden untereinander, deren aktive Einbeziehung sowie die persönliche Beziehung zwischen Händler*in und Kundschaft im Mittelpunkt. Obwohl der Begriff häufig auf den Produktverkauf via Social Media reduziert wird, ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass er deutlich umfassender ist. 

Allen Ansätzen gemein ist, dass stets ein gewisses Maß an Interaktion des Händlers / der Händlerin mit seinen / ihren Kunden vorliegt. Dabei ist zweitrangig, ob die Interaktion über Rezensionen, Posts, Abstimmungen oder Erfahrungsberichte stattfindet. Auch Live-Shopping- und Streaming-Angebote fallen in die Kategorie des Social Commerce. 

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass nicht mehr länger nur der Online-Shop des Unternehmens direkt das Ziel der Kunden ist, sondern, dass sie durch andere Kanäle, wie Social Media oder Blogs auf die Produkte aufmerksam gemacht werden und den Kaufabschluss direkt über diesen Kanal auch abschließen können. Hierdurch wird die Customer Journey vereinfacht und das Shopping-Erlebnis für den Kunden bequemer gestaltet. Besonders relevant für den Social Commerce sind dabei folgende Plattformen:

  • Facebook
  • Twitter
  • Instagram
  • Pinterest
  • YouTube
  • Snapchat
  • TikTok

Aktuelle Entwicklungen

Als Hintergrund für die Entstehung und den Erfolg von Social Commerce lässt sich die zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte, wie Smartphones und Tablets, und mobiler Applikationen (Apps) nennen. Durch diese nimmt die Frequenz auf den klassischen Suchmaschinen, wie Google, dramatisch ab. Des Weiteren kann die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen (Geschäftsschließungen, Zwang nach alternativen Handlungsformaten) als Brandbeschleuniger deklariert werden. 

Knapp zwei Drittel (64 %) der befragten Social-Media-Nutzer gaben an, im letzten Jahr einen Social-Commerce-Kauf getätigt zu haben [...].

Accenture 2022

Allerdings zeigt sich diese Expansion auch am wachsenden Anteil des Social Commerce am Jahresumsatzes des E-Commerce. Weltweit erwirtschaftete der Bereich Social Commerce im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 492 Milliarden Dollar. Dieser soll sich bis ins Jahr 2025 fast verdreifachen und damit ein Volumen von rund 1,2 Billionen Dollar erreichen. Der Anteil des Social Commerce an allen E-Commerce-Ausgaben würde damit von 10% im Jahr 2021 auf 17% im Jahr 2025 steigen (Accenture 2022). Insbesondere die Generationen Y und Z treiben dieses Wachstum voran. 

Als Vorreiter im Hinblick auf Social Commerce gilt insbesondere der asiatische Raum. Dabei vor allem China. Anders als bei uns, läuft der Großteil des Online-Handels dort bereits heute schon mobil ab. 

Acht von zehn Social-Media-Nutzer in China greifen auf Social Commerce zurück, um Einkäufe in einer bestimmten Kategorie zu tätigen.

Accenture 2022

Soziale Plattformen wie WeChat, QQ, Weibo und Co. bieten eine Vielzahl an Funktionen in ihren eigenen Ökosystemen an. Dadurch sind die Nutzer*innen nicht länger gezwungen, auf die traditionellen Suchmaschinen auszuweichen, um beispielsweise den Kaufabschluss zu tätigen (SEARCH ONE 2020). 

Und wie nutze ich Social Commerce als Händler*in?

Schließlich lässt sich festhalten, dass die Zeit der großen Marken und Big-Player lange vorbei ist. Mittlerweile bietet Social Commerce insbesondere kleinen Marken und Unternehmen neue Chancen und Möglichkeiten, ihre Produkte an den Mann / die Frau zu bringen. Ferner bietet der Begriff „Direct-to-Customer“ Herstellern die Möglichkeit, direkt als Händler aufzutreten. 

In Zukunft wird die Kaufentscheidung zunehmend durch Empfehlungen und Inspiration sowie dem Kontext geprägt, in dem sie stattfindet. Weniger wichtig wird dann die Markenbekanntheit sein, die dabei viele Jahre lang dominierte. Authentizität und Vertrauen bieten insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, den Social Commerce erfolgreich für sich zu nutzen. 

Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Social Commerce in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt hat. Während der asiatische Raum lange Zeit als Vorreiter galt, werden zunehmend auch immer mehr Unternehmen der westlichen Welt die Chancen nutzen, um die Customer Journey ihrer Kundschaft auf ein neues Level zu heben. 

#KAUFLOKAL – erfrischende Pop-up-Aktion in München

Verknüpfte Initiativen:Münchens Erste Häuser

In München machen im März drei Platzhirsche aus dem stationären Handel gemeinsame Sache. Es geht um nichts geringeres als die Verführung zum Kauf in der Stadt. Dabei gehen die Protagonisten weit über ein schnödes „Kauft vor Ort und alle sind happy“ hinaus. Sie positionieren sich als Kuratoren für coole Produkte und proben nebenbei den Aufstand gegen langweilige Citys. (mehr …)

Wer wird die deutsche Modellstadt der digitalen Transformation?

Verknüpfte Unternehmen/Organisationen:eBay

Fünf deutsche Städte sind auserwählt, um sich in einem Finale um das beste Konzept zur „Digitalen Stadt“ zu messen. Der Wettbewerb wurde vom Verband der Digitalwirtschaft Bitkom e.V. in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) initiiert. (mehr …)

Jagd auf die besten Ideen im inhabergeführten Facheinzelhandel

Verknüpfte Initiativen:Buy Local
Verknüpfte Unternehmen/Organisationen:Buy Local – Erlebe Deine Stadt eG
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Das Gütesiegel der Initiative müssen sich stationäre Händler hart erarbeiten (Abb.: BUY LOCAL e.V.)

Buy Local, die Regionalinitiative für den inhabergeführten Facheinzelhandel und das Handwerk, überprüft mit einem bundesweiten Qualitätscheck den Status-quo des lokalen Handels. Leben wir in Deutschland – trotz Handlungsdruck durch E-Commerce und Strukturwandel – immer noch in einer Servicewüste oder gibt es sie wirklich, die innovativen, zukunftsorientierten und kundennahen Facheinzelhändler? (mehr …)

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